© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-09 vom 28. Februar 2009

Konrad Badenheuer:
Besinnung

Diese Zeitung hat beileibe keine Freude daran, ihre Leser Woche für Woche mit neuen Hiobsbotschaften insbesondere wirtschaftlicher Art zu verunsichern. Doch die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache, und die Wahrheitspflicht gebietet es, die Dinge beim Namen zu nennen. Die Bundesregierung mag zum Zweckoptimismus verpflichtet sein, die Medien sind es nicht. Die haarsträubende Entwicklung in Großbritannien, den USA und mehreren kleineren Ländern Europas sollte der deutschen Politik eine Warnung sein: Hier ist für jederman zu sehen, was  mit einer Volkswirtschaft geschehen kann, wenn grundlegende Regeln von Anstand und gesundem Menschenverstand mit Füßen getreten werden.

Die Krise in Deutschland, auch wenn sie letztlich wohl glimpflicher verlaufen wird als in den genannten Ländern, ist schlimm genug, um sehr grundlegende Fragen aufzuwerfen. Es geht eben um weit mehr als ein besseres Regelwerk für die Finanzmärkte und die Sanierung (und anschließende Abschaffung) maroder und eigentlich funktionsloser Landesbanken. Es geht um die Rückkehr zu einem System ungeschriebener Regeln und moralischer Standards, dem sich die politische und wirtschaftliche Elite dieses Landes bei Strafe des Auschlusses aus dieser Gemeinschaft verpflichtet weiß.

Ein solches Wertesystem mit den Eckpfeilern Integrität und Ehrgefühl, Gemeinsinn und Verantwortungsbewußtsein hat in Deutschland bis weit in die achtziger Jahre hinein existiert. Es hat trotz elender Voraussetzungen den Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder ermöglicht. Das Land sollte sich darauf zurückbesinnen.


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