© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-09 vom 28. Februar 2009

Wenig beachtete Arbeit
Die Tätigkeit der Hermann-Niermann-Stiftung

Die Förderung nationaler Minderheit ist – jedenfalls in Deutschland – kein Anliegen, für das die breite Öffentlichkeit sich besonders interssieren würde. Und doch trägt es wesentlich zum kuturellen Reichtum Europas und zur Völkerverständigung bei. Deswegen verdienen die Persönlichkeiten und Institutionen, die sich diesem Ziel verschrieben haben,  Beachtung. Eine davon ist die 1977 errichtete Gemeinnützige Hermann-Niermann-Stiftung. Im § 1 der Satzung legte der Stifter fest: „Je mehr es gelingt, die Lage der ethnischen Minderheiten (Volksgruppen) zu verbessern, umso mehr werden sie von einem Zankapfel zu Brücken der Völkerverständigung werden. Aufgabe der Stiftung ist daher die Förderung der Völkerverständigung durch Unterstützung der kulturellen und wissenschaftlichen Belange ethnischer Minderheiten.“

Diese Aufgabe erfüllt die Stiftung seitdem ohne viel Geklapper oder Schlagzeilen, dafür in einer ganz beeindruckenden Breite und mit erheblichen Summen.

Nicht weniger als 20,9 Millionen Euro hat die Körperschaft seit dem Jahre 1993 in Dutzende Projjekte in ganz Europa fließen lassen, wie die Internetseite der Stiftung ausweist. Ein gewisser Schwerpunkt ist Ostmitteleuropa, wo viele Minderheiten leben und nach Jahrzehnten des Kommunismus der Förderbedarf größer war und ist als in anderen Teilen des Kontinents.

Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist seit 1987 Uwe Stiemke, ein gebürtiger Stettiner und pensionierter Ministerialrat, der bereits in seiner aktiven Zeit mit der Minderheitenförderung befaßt war – deutschsprachige Minderheiten im Ausland und später die Sorben gehörten zu seinem Tätigkeitsbereich.

Zunächst mußte Stiemke die Stiftung aber aus gewissen Negativschlagzeilen herausholen, denn der 1985 verstorbene Stifter ließ sich in seinen alten Tagen mit „Minderheitenfachleuten“ ein, die   teilweise Positionen außerhalb des demokratischen Spektrums vertraten. Doch Niermann selbst war angesichts seiner Vita (er erhielt 1942 politisches Asyl in der Schweiz) über entsprechenden Verdacht erhaben, und spätestens seit 1993 ist auch die von ihm begründete Stiftung wieder in ein ruhiges Fahrwasser zurückgekehrt, zumal die Förderpraxis weiter „europäisiert“ worden ist: Die Förderungsmöglichkeiten der Stiftung stehen Antragsstellern aus allen ethnischen Minderheiten und Volksgruppen in Europa offen.

Übrigens unterstützt die Stiftung auch Vorhaben in Westpreußen, genauer gesagt drei Projekte zur Förderung der kleinen und von Assimilation bedrohten kaschubischen Volksgruppe, mit einem Fördervolumen von insgesamt über 500000 Euro im Laufe mehrerer Jahre. Auch Projekte in Oberschlesien werden von der Stiftung unterstützt, die nach Lage der Dinge vor allem den dort lebenden Deutschen zugutekommen. Hier beläuft sich das Volumen ausweislich der Angaben auf der Internetseite der Stiftung sogar auf insgesamt über 1,1 Millionen Euro.   K.B.


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