© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-09 vom 28. Februar 2009

Gegen Kritiker
»Nachwehen« des Streits um die Piusbrüder

Der Streit um die weitere Entwicklung der katholischen Kirche geht weiter. In Reaktion auf die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Pius-Bruderschaft fordern etliche katholische Theologieprofessoren in einer Resolution mit Papst-kritischem Unterton die uneingeschränkte Anerkennung der Beschlüsse des Vatikanums II. Die Unterzeichner befürchten die „Rückkehr von Teilen der katholischen Kirche in eine antimodernistische Exklave“. Zu den Unterstützern gehören die bekannten Kirchenkritiker Hans Küng oder Gotthold Hasenhüttel, denen bereits die Lehrerlaubnis entzogen wurde. Solche Unterschriftensammlungen gibt es nicht wenige in der katholischen Welt und meist bleiben sie folgenlos. Doch der als streitbar bekannte Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller geht rigide gegen drei Professoren seines Bistums vor, die das Papier unterzeichnet haben. Müller stört sich daran, daß die Unterzeichner in einer Zeit der vehementen Kirchenkritik zusätzlich Öl ins Feuer der Auseinandersetzung gießen. Nun sollen sie sich schriftlich beim Papst entschuldigen und bei ihm persönlich das Glaubensbekenntnis sowie einen Treueid ablegen. Genau das verweigern die Abgemahnten, sie sehen dafür keinen Anlaß.

Es ist nicht das erste Mal, daß Bischof Müller, der auch das literarische Gesamtwerk von Papst Benedikt XVI. herausgibt, einem derartigen Konflikt nicht aus dem Wege geht. Schon 2005 hatte er die innerkirchliche Mitbestimmung durch Diözesanräte und ähnliche Laienorganisationen beschnitten und sich damit durchgesetzt. Nach einem Gespräch mit der Leitung der theologischen Fakultät schien der Konflikt um die die drei relativ unbekannten Theologen nicht beigelegt. Die Frage ist nun, ob Bischof Müller die von ihm öffentlich erwogenen „weiteren Schritte“ einleiten wird. Als Ortsbischof führt er die Lehraufsicht über die katholische Fakultät und kann Professoren die Lehrerlaubnis entziehen. Bischof Müller, der über sehr gute weltkirchliche Kontakte verfügt, hat sein Schreiben bereits an die Leiter der Glaubens- und Bildungskongregation im Vatikan geschickt.         H.E.B.


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