© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-09 vom 28. Februar 2009

Das Schreckwort ist gefallen
von Hans Heckel

Erstmals also fiel jenes Wort, das wie kein anderes aus dem Feld der Wirtschaft den Deutschen in die Glieder fährt: Währungsrefom (siehe Seite 7). Und das auch noch mit einer konkreten Jahreszahl versehen, 2014.

Wir wissen nicht, wie „Crash-Prophet“ Roland Leuschel zu seiner Berechnung kam, daß die Münze der Deutschen in genau fünf Jahren zum dritten Mal in einem Jahrhundert zusammenbrechen werde – und hoffen daher, daß ihm da eine Null zuviel oder zuwenig durchgerutscht ist. Unstreitig unter den Experten ist mittlerweile jedoch, daß sich im Gefüge der Weltwährungen ein großes und unheilvolles Inflationspotential zusammengebraut hat. Die Notenbanken Großbritanniens und der USA kaufen bereits Staatsanleihen ihrer Regierungen auf, die offenbar am freien Kapitalmarkt nicht mehr gut unterzubringen sind. Das ist nichts anders als Gelddrucken, für das keine Deckung durch ein entsprechendes Güterangebot gibt.

Aber steht die Sorge vor Inflation nicht im krassen Kontrast zu den derzeit stagnierenden, ja  rückläufigen Preisen? Die Kurse für Öl und andere Rohstoffe, die noch im vergangenen Jahr an der Spitze der Preistreiber standen, sind dramatisch eingebrochen. Die Nachfrage der Verbraucher stagniert oder geht, wie in den USA und England, sogar drastisch zurück, was ebenfalls auf die Preise drückt. Doch Experten halten dies für ein vorübergehendes Phänomen. Auseinander gehen die Meinungen nur darüber, wann genau die Preisspirale wieder nach oben dreht. Manche sagen, das geschehe erst, wenn die Wirtschaft wieder Tritt faßt, weil sich dann erst die gewaltigen Geldmengen, die die Notenbanken derzeit in die Märkte pressen, in Bewegung setzen würden.  HWWI-Chef Thomas Straubhaar widerspricht: Schon in wenigen Monaten, also noch mitten in der Krise, werde es losgehen.

Als Vorzug erweist sich nun, daß die Europäische Zentralbank (EZB), besonders auf deutschen Druck hin, Unabhängigkeit genießt. Aber der politische Druck auf Frankfurt wird steigen. Einem Dammbruch käme es gleich, wenn es in die Enge getriebenen Regierungen der Eurozone gelänge, die EZB ebenfalls zum Ankauf von Staatsanleihen zu nötigen, wie es die US-Fed und die Bank von England bereits tun.

Dann könnte es plötzlich schnell gehen. Wenn die Menschen das Vertrauen in den Wert des so großzügig gedruckten Geldes zu verlieren beginnen und deswegen Sachwerte kaufen, kommt es rasch zu genau dem Geldwertverfall, der bislang ausgeblieben ist, obwohl die monetären Voraussetzungen längst vorliegen. Den jüngsten Goldpreisanstieg deuten viele als ersten Vorboten einer solchen Flucht in Sachwerte. Vor dem Kauf britischer oder US-Staatsanleihen wird in einschlägigen Kreisen übrigens bereits gewarnt.

Foto: Das böse Wort „Inflation“ geistert durch die Gazetten, und viele Experten streiten schon nicht mehr darüber, ob die Preise anziehen, sondern wann und in welchem Ausmaß. Nach Lage der Dinge sind übrigens Dollar und Pfund weit stärker gefährdet sind als der Euro.


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