© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-09 vom 28. Februar 2009

Der Bankier machte Kaiser
Jakob Fugger der Reiche finanzierte zwei Habsburgern die Krone

Eigentlich hatte er ja Geistlicher werden sollen. Als Jakob Fugger am 6. März 1459 in Augsburg das Licht der Welt erblickte, war er bereits das zehnte Kind seiner nicht nur kinderreichen Eltern. Auf ihn glaubte man daher bei der Fortführung des Familienbetriebes verzichten zu können. Aber es kam anders. Drei Brüder starben wie die Fliegen, und so wurde er von seinem älteren Bruder Ulrich, dem Familienoberhaupt seit dem Tode des Vaters, aus der theologischen Herausbildung herausgerissen und mußte sich fortan dem Mammon verschreiben.

Für einen Klosterschüler entwickelte Fugger eine enorme Geschäftstüchtigkeit. Als erstes stürzte er sich auf die Edelmetallbranche. Er versorgte Minenbesitzer mit Geld, forderte als Gegenleistung jedoch nicht etwa die üblichen Schuldscheine, sondern Anteile. Unter seinem Einfluß als Miteigentümer verkauften dann die Minen ihr Edelmetall an ihn, und er machte daraus Geld. Dabei verdiente er doppelt: Er umging den Zwischenhandel und verdiente zusätzlich beim Münzen durch Strecken des Edelmetalls.

Außer auf Edelmetalle setzte Fugger auf die Habsburger als einem Herrschergeschlecht mit Zukunft. So finanzierte er den luxuriösen Lebenswandel des späteren Kaisers Maximilian I. und verschaffte ihm 1508 die Kaiserkrone, indem er ihn mit den Mitteln versorgte, die Kurfürsten zu bestechen.

Fugger machte in derart großem Stile Geldgeschäfte, daß sein eigenes Kapital dafür nicht mehr ausreichte. So wurde er zum Bankier. Eine beträchtliche Einlage hatte der Fürstbischof von Brixen Melchior von Meckau, der 1509 verstarb. Hätte der eigentliche Erbe, die katholische Kirche, das Erbe angetreten und das Geld abgezogen, wäre Fugger ruiniert gewesen. Hier revanchierte sich Kaiser Maximilian. Er gewährte dem Papst in einem seiner Kriege Waffenhilfe, erhielt dafür als Gegenleistung Meckaus Erbe und ließ dieses mit seinen Schulden bei Fugger verrechnen, der dadurch gerettet war.

Als Maximilian I. 1519 starb, waren die Habsburger Fuggers größte Schuldner. Er mußte sie deshalb potent halten. So ermöglichte er wie zuvor schon Maximilian I. auch dessen Enkel Karl V. die Kaiserkrone. Dieser revanchierte sich dafür unter anderem dadurch, daß er auf der Bühne der Politik Kritik an Fuggers teilweise monopolartige Stellung in der Edelmetallbranche vom Tisch wischte.

Fugger hatte in richtiger Einschätzung des Potentials der Habsburger das Schicksal seines Unternehmens an das dieser aufstrebenden Herrscherfamilie gebunden. Das barg große Chancen, aber auch das Risiko der Abhängigkeit. Als reichster Kaufmann und Bankier seiner Zeit verstarb der kinderlos gebliebene am 30. De­zem­ber 1525 in Augsburg.        M. R.


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