© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-09 vom 28. Februar 2009

Fotos offenbaren Parallelen
Ausstellung über die Montanreviere in Ruhrgebiet und Oberschlesien

In Oberschlesien und im Ruhrgebiet haben Kohle und Stahl die Landschaft in ähnlicher Weise geprägt: Fördertürme und Hochöfen dominierten hier wie dort als neue Wahrzeichen des Fortschritts. Gründerzeitliche Zechen und Kolonien, aber auch Kirchen und Theatergebäude weisen nicht selten die gleiche architektonische Handschrift auf. Bis 1918 gehörten die beiden Montanreviere komplett zum Deutschen Reich. Die selben Konzerne engagierten sich deutschland- und europaweit. Einzelne Architekten übernahmen Bauaufträge in unterschiedlichen Industrieregionen. So schuf Carl Moritz nicht nur das Stadttheater in Kattowitz, sondern auch das Hotel Handelshof am Essener Hauptbahnhof und die Nikolauskirche in Essen-Stoppenberg. Johannes Franziskus Klomp betrieb um 1910 neben seinem Dortmunder Hauptbüro zwei Zweigbüros in Beuthen und Kattowitz. Im östlichen Ruhrgebiet errichtete er mehrere Sakralbauten, darunter die Dortmunder Dreifaltigkeitskirche im Borsigplatz-Viertel. In Oberschlesien schuf er die monumentale Paulus­kirche in Ruda-Friedenshütte. Dort ist das Portal durch einen Bibelvers in deutscher und in polnischer Sprache verziert, der sowohl die NS-Herrschaft als auch die kommunistische Diktatur unzerstört überstand.

Solche bemerkenswerten Parallelen zwischen dem Ruhrgebiet und Oberschlesien werden in der Fotoausstellung des LWL-Industriemuseums einander gegenübergestellt. Das Oberschlesische Landesmuseum präsentiert die Ausstellung „Montanrevier“ vom 15. März bis zum 10. Mai. Beide Museen blicken mittlerweile auf eine mehrjährige gute Zusammenarbeit zurück und haben ein großes Interesse an der vergleichenden Montangeschichte des Ruhrgebiets und des Oberschlesischen Industriegebiets.

In der Ausstellung zeigen Fotografien von Martin Holtappels, Piotr Muschalik und Thomas Stachelhaus sowie historische Ansichtskarten Fördergerüste und Malakofftürme, Bergarbeiterkolonien und Gartenstädte, die Villa Hügel und Schloß Plawniowitz, die Essener Synagoge und die Christ-Königs-Kathedrale von Kattowitz. Einander gegenübergestellt werden Hochöfen aus Hattingen und Ruda, Dampfmaschinen aus Bochum und Hindenburg sowie Theatergebäude aus Duisburg und Beuthen. Obwohl nach dem Zweiten Weltkrieg vielerorts Plattenbausiedlungen errichtet wurden, konnte Oberschlesien auf weite Strecken sein „reviertypisches“ Erscheinungsbild bis heute bewahren. Dies dokumentieren die Fotos von Piotr Muschalik. Fotos und Ansichtskarten regen zur Beschäftigung mit den beiden Montanrevieren, dem typischen Landschaftsbild, ihrer Geschichte, ihrer aktuellen Umstrukturierung und ihren Zukunftsperspektiven an.

Ergänzt wird die Ausstellung in Ratingen durch Bergbau-Realien aus den Beständen des Oberschlesischen Landesmuseums – diverse Arbeitsgeräte, Uniformen, Kohleschnitzereien und Exponate aus dem Alltagsleben im oberschlesischen Industrierevier.            M. R.

Nähere Informationen gibt das Oberschlesische Landesmuseum, Bahnhofstraße 71, 40883 Ratingen, Telefon (02102) 965-0, Fax (02102) 965-400, E-Mail: info@oslm.de, Internet: www.oslm.de. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr und Ostermontag geöffnet. An anderen Montagen sowie Karfreitag bis Ostersonntag ist das Haus geschlossen.


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