© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-09 vom 28. Februar 2009

Gänsehaut im Gästebett
Geistreiche Erfahrungen in Großbritannien

In Großbritannien gibt es eine Reihe von Hotels, um die sich schaurig-schöne Geschichten ranken. Eingeweihte beschwören die Existenz dort hausender Gespenster und Spukgestalten.

Eisige Windzüge aus dem Nichts, vorbeihuschende Schatten, seltsame Geräusche. Mittendrin: der Urlauber im Hotelbett respektive darunter verkrochen. Was für die einen wie ein Horrortrip klingt – noch dazu freiwillig, im Urlaub –, ist für andere der größte Spaß. Und zwar einer, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut.

Gruseleinsteiger und sensible Gäste sollten es am Anfang vielleicht erst einmal mit dem „Ryde Castle Hotel“ auf der Isle of Wight probieren, das von einem eher freundlichen Geist heimgesucht wird. Wer genau hinhört, wird sein Kettenrasseln vernehmen – zumindest erzählt man sich das in entsprechenden Geisterexpertenrunden.

Das Hotel „Miskin Manor“ in Cardiff eignet sich auch gut für angehende Gespensterliebhaber. Dort meint man, in den Fluren Schritte hinter sich wahrzunehmen, dabei sind es nur die knarrenden Fußbodendielen. Oder etwa doch nicht?

Das „George Hotel“ bei Gatwick steht auf der Gruselskala bereits eine Stufe höher. Hier soll ein Nachtwächter, der im 17. Jahrhundert vergifteten Wein trank, sein Unwesen treiben. Noch heute hört man im Speisesaal immer wieder die Gläser klirren, ohne daß es dafür Erklärungen gäbe.

Im „Brownsover Hall-Hotel“ in Rugby tauchen regelmäßig unerklärliche Blutflecken in der Bibliothek auf – angeblich Spuren von einem Mitglied der hier früher ansässigen Adelsfamilie; dem Mann soll die Hand abgehackt worden sein, womit sich die Flecken erklären lassen.

Im „Kimberley Hotel“ in Oban soll immer wieder eine „Grey Lady“ gesichtet werden – eine Geisterdame, über die man wenig weiß und die doch irgendwie anwesend zu sein scheint. Erzählungen zufolge ist sie freundlich, höflich und stilvoll.

Im „Hotel Borthwick Castle“ in der Nähe von Edinburgh berichtet man von Queen Mary of Scots, die sich hier einst vor ihren Verfolgern versteckte und sich immer noch ab und an im Schloß bemerkbar macht. Und damit nicht genug: Nachts trampeln angeblich unsichtbare Pferde laut vor dem Himmelbett im Roten Zimmer, obwohl der Raum lediglich über eine schmale Wendeltreppe zu erreichen ist.

Das vielleicht berühmteste Spukschloß-Hotel im vereinigten Königreich Großbritannien ist „Chillingham Castle“ in Northumberland. Dort hausen angeblich gleich mehrere Geister, allen voran der „Blaue Junge“, der um Mitternacht schreit und stöhnt. Und tatsächlich wurden vor nicht ganz 100 Jahren hinter einer Wand das Skelett eines Kindes und die Überreste eines blauen Kleidungsstückes entdeckt. Der Junge soll zur Zeit der spanischen Armada hier lebendig eingemauert worden sein. Damit nicht genug: In manchen Nächten irrt eine gewisse „Lady Mary Berkeley“ mit Baby im Arm durch das Schloß und sucht nach ihrem Ehemann, der mit ihrer Schwester durchgebrannt ist. Wenn sie durch die Korridore huscht, kann man das Rascheln ihres Kleides angeblich deutlich hören.

All die Geschichten von Spukgestalten und Untoten sind dem Humor der Briten und ihrer Exzentrik entsprungen. Mit der rationalen Logik so mancher ist es vorbei, wenn der Mythos der alten Gemäuer Besitz von ihnen ergriffen hat. Zumindest ist davon auszugehen, daß der Urlaub auf der Insel „geistreiche“ Erfahrungen mit sich bringt – in welcher Form auch immer. Corinna Weinert


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