© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-09 vom 28. Februar 2009

Berlins viele Gesichter
Alte und neue Fotos

Berlin durchlebte allein seit der Wiedervereinigung einen extremen Wandel. Aber auch in den Jahrzehnten und Jahrhunderten davor war die deutsche Hauptstadt immer der Veränderung unterworfen. „Berlin – früher und heute“ von Christa Pöppelmann beginnt demgemäß auch mit einem Zitat des Kunsthistorikers Karl Scheffler (1869–1951): „Berlin ist dazu verdammt, immerzu zu werden und niemals zu sein.“ Die Autorin hat zahlreiche Fotos von der deutschen Hauptstadt ausgesucht. Immer wieder stellt sie ältere Aufnahmen aktuellen Fotos gegenüber und erklärt in kurzen Texten, was sich wann warum verändert hat. Ihre Auswahl ist zwar interessant, aber nicht spektakulär. Schön wäre es gewesen, mehr über Berlins historische Mitte, die heute nicht mehr existiert, zu erfahren. Dafür zeigt sie aber, wie belebt der Potsdamer Platz 1928 war. Eine aktuelle Aufnahme dieses Ortes ist mit den Worten „Modern oder zu kalt?“ unterschrieben. Fotos, auf denen noch die Mauer zu sehen ist, hinterlassen einen mulmigen Eindruck. Gleichzeitig ist es jedoch irritierend, daß heute kaum noch Spuren von dem einstigen „Bollwerk“ zeugen, ist es doch ein wichtiger, steinener Zeuge der nahen Vergangenheit. Eine Aufnahme von 1885 zeigt das imposante Gebäude des Anhalter Bahnhofes fünf Jahre nach seiner Einweihung. Heute ist nur noch ein Fragment davon erhalten, und selbst das steht nur noch, weil es sich nicht abreißen ließ und mehrere Abbruchunternehmen sich daran „die Zähne ausbissen“.             Bel

Christa Pöppelmann: „Berlin – früher und heute“, Komet, Köln 2008, geb., 160 Seiten, 9,95 Euro


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