© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-09 vom 28. Februar 2009

Hier können nicht nur Journalisten noch etwas lernen
»Weyers Flottentaschenbuch« informiert über die neuesten Entwicklungen auf den Weltmeeren

Herausgegeben von Werner Globke ist dieser Tage die 67. Ausgabe von Weyers Flottentaschenbuch erschienen. Dieses Handbuch erschien erstmalig im Jahre 1900 und gilt seither als das internationale Standardwerk. Aktualität, Genauigkeit, die Präzision der Skizzen und die Übersichtlichkeit sind sprichwörtlich und heben sich durch die Handlichkeit des Taschenbuchformates vom britischen Konkurrenten, Janes „Fighting Ships“, ab. Auf engstem Raum wird ein Höchstmaß an Information aller Marinen der Welt geboten. Die Flottenlisten der einzelnen Mächte sind einheitlich nach Gattungen und Untergattungen dargestellt und eignen sich daher nicht nur zum Nachschlagen, sondern auch zum Vergleich einzelner Schiffe.

Die neueste Ausgabe gibt detaillierte Auskunft über die fortschreitenden Bemühungen der im Shanghai Club zusammengefaßten potentiellen Gegner der USA, ihre Seemacht zu verstärken. Sie beschaffen nicht nur nuklear getriebene U-Boote, sondern auch vollwertige Flugzeugträger. Allein China wird bei Realisierung seiner Pläne 2020 drei große Flottenträger besitzen – Indien immerhin zwei. Die übrigen Mächte lassen vermehrt konventionelle U-Boote bauen. Die Seestreitkräfte des „Westens“ haben sich weitgehend ihrer U-Jagdfregatten und Zerstörer entledigt, die notwendig wären, um einer Bedrohung der Seewege durch U-Boote zu begegnen. Stattdessen verfügen einige Marinen der Nato inzwischen über beachtliche amphibische Kapazitäten. Das zeugt von der Überzeugung, keine Gefechte mehr auf See ausführen zu müssen, sondern nur noch an fremden Küsten militärisch wirken zu wollen. Trauriges Beispiel sind die Seestreitkräfte der Niederlande, die zu Beginn der 90er Jahre noch 22 Zerstörer/Fregatten zur Bekämpfung von U-Booten besaßen und diese samt und sonders außer Dienst gestellt und verkauft haben.

Bei der Durchsicht der Tagespresse ist der „Weyers“ ein guter Gradmesser für die Unkundigkeit der Journalisten, die Tag für Tag ihre Blätter für Geld voll schreiben. Immer wieder ist man selbst als fachkundiger Laie erstaunt, wie unwissend im maritimen Dingen die schreibende Zunft ist, womit die These des Genossen Lenin „Wissen ist Macht“ scheinbar widerlegt ist.             Klaus Gröbig

„Weyers Flottentaschenbuch“,  Bernard & Graefe in der Mönch Verlagsgesellschaft mbH, Bonn 2008, 998 Seiten, vier Seiten mit Flaggentafeln, 854 Farbfotos,1540 Schiffskizzen, zweisprachig (deutsch/englisch), 64 Euro


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