© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 10-09 vom 07. März 2009

»Bohnenmahl« wieder in Königsberg
Die deutsche und die russische »Gesellschaft der Freunde Kants« laden zur Geburtstagsfeier des Philosophen

Nach dem großen Erfolg ihres ersten gemeinsamen Treffens im April vergangenen Jahres werden die deutsche und die russische „Gesellschaft der Freunde Kants“ vom 18. bis 22. April wieder in Königsberg zusammenkommen.

Immanuel Kant verbindet Russen und Deutsche. Er ist auch die wichtigste Verbindung zwischen der heutigen Stadt und der großen Vergangenheit Königsbergs. Lebendig gehalten haben diese Verbindung Kants Freunde, die er regelmäßig zum Essen eingeladen hatte. Nach seinem Tode im Jahre 1804 beschlossen sie, die Erinnerung an den Menschen Immanuel Kant in seiner Heimatstadt zu bewahren und in Zukunft jedes Jahr zu Kants Geburtstag am 22. April zu einem Erinnerungsfest zusammenzukommen. Daraus entwickelte sich die „Gesellschaft der Freunde Kants“, die in nie unterbrochener Tradition, durch Kooptation ergänzt, die Tischgesellschaft Kants in Königsberg fortsetzte.

 Im Jahre 1814 schlug der Astronom Friedrich Wilhelm Bessel vor, denjenigen, der jeweils im nächsten Jahr vor dem Festessen die Rede halten sollte, durch eine Bohne zu bestimmen, die in dem als Nachtisch gereichten Kuchen versteckt wurde. So entstand die Tradition des „Bohnenkönigs“, die „Gesellschaft der Freunde Kants“ wurde seitdem auch „Bohnengesellschaft“ genannt und das Festessen an Kants Geburtstag „Bohnenmahl“.

Die „Bohnengesellschaft“ war in den 140 Jahren ihrer Existenz bis zum Untergang Königsbergs im Jahre 1945 ein wichtiger Kulturfaktor der Stadt. Am 12. Februar 1945, dem 141. Todestage Kants, legte Bruno Schumacher, der „Bohnenkönig“ für dieses Jahr, am Grabe Kants einen Kranz nieder. Das war der letzte Akt der „Gesellschaft der Freunde Kants“ in Königsberg.

Nach dem Krieg setzten die nach Westdeutschland geflüchteten Mitglieder der Königsberger Gesellschaft die Tradition fort und veranstalteten das alljährliche „Bohnenmahl“ bis zum Jahre 1973 in Göttingen und ab 1974 in Mainz. Rudolf Malter, „Kanzler“ der „Gesellschaft der Freunde Kants“, schrieb im August 1991 in der Einleitung zu der von ihm herausgegebenen Sammlung „Königsberger Kant-Ansprachen 1804–1945“: „Es wäre nicht das schlechteste Zeichen der Völkerverständigung, wenn sich eines Tages im Königsberg der Gegenwart Kantfreunde vieler Nationen in Erinnerung an den Friedensdenker Immanuel Kant zum ‚Bohnenmahl’ versammelten.“

Der Wunsch Malters ging vergangenes Jahr in Erfüllung. Schon drei Jahre zuvor hatte sich in Königsberg auf Anregung des Mathematikers und Hotelbesitzers Bartfeld eine russische Gesellschaft der Freunde Kants gebildet, die sich einmal im Monat im Hotel „Albertina“ trifft. Die russische Gesellschaft lud die deutsche „Gesellschaft der Freunde Kants“ zu sich ein. So kamen am 22. April 2008 zum ersten Mal deutsche und russische Freunde Kants zu einem gemeinsamen Bohnenmahl in der Stadt Kants zusammen.

Wie damals erwartet auch diesmal die Teilnehmer ein abwechslungsreiches Programm: Für den 18. April ist ein Ausflug auf die Kurische Nehrung geplant, am 19. April ein evangelischer Gottesdienst in der Auferstehungskirche, eine Stadtrundfahrt und ein Orgelkonzert des Berliner Domorganisten Andreas Sieling. Am 20. April wollen die Kantfreunde Tilsit, Heinrichswalde und Labiau besuchen; am 21. April sind Vorträge im Deutsch-Russischen Haus vorgesehen. Am 22. April, dem 285. Geburtstag Immanuel Kants, werden die Teilnehmer im Königsberger Dom an der Eröffnung der 10. Kantkonferenz teilnehmen, die vom 22. bis 24. April Kantforscher aus der ganzen Welt zusammenführt, sowie ein Orgelkonzert hören, Blumen am Grabe Kants niederlegen und sich abends zum traditionellen „Bohnenmahl“ zusammenfinden. An diesem Treffen können auch Personen teilnehmen, die nicht Mitglieder der „Gesellschaft der Freunde Kants“ sind. Nähere Auskünfte erteilt Gerfried Horst, Papenhuder Straße 22, 22087 Hamburg, Telefon (040) 224946, E-Mail: Gerfried Horst@t-online.de.        PAZ


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