© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 10-09 vom 07. März 2009

Wider den Zeitgeist
Eine Doppel-CD zum musikalischen Gedenken an Gerd Knesel

Musikfreunde, die bei Politsongs automatisch an Sprechgesang à la Wolf Biermann denken, werden beim Hören der Stücke des viel zu früh verstorbenen Liedermachers Gerd Knesel überrascht sein. Es handelt sich um richtige Lieder mit Melodien und Rhythmen. Beeindruckend ist dabei die musikalische Bandbreite, Vielseitigkeit und Phantasie.

Dafür, daß darüber die inhaltliche politische Aussagekraft der Stücke nicht verlorengeht, steht und sorgt der Texter der Lieder, Hubertus Scheurer, der mit Wortwitz und Schärfe die Linke im allgemeinen, vor allem aber die Sympathisanten und Verharmloser des „real existierenden Sozialismus“ in Deutschland und Rußland angreift.

Die Mauer und der Eiserne Vorhang waren Knesel wie Scheurer ein Greuel, die Verteidiger der Spaltung Deutschlands und Europas ihre Gegner, die sie in ihren Liedern anprangerten. Die Gnade, den Fall der verhaßten Mauer und das Ende von DDR und Ostblock mitzuerleben, war Knesel noch vergönnt. Über der Freude über die (kleine) Wiedervereinigung von West- und Mitteldeutschland vergaß der deutsche Patriot jedoch nicht die Heimatverbliebenen in Ostdeutschland. Seine zahlreichen Konzerte in Oberschlesien zeugen davon. Daß diese Sympathie nicht einseitig war, sondern auf Gegenseitigkeit beruhte, zeigten zwei Gedenkgottesdienste anläßlich des Sechs-Wochen-Amtes nach seinem letzten Heimgang 1992. Tausende versammelten sich zu ihnen am Annaberg und in Joseph von Eichendorffs Geburtsort Lubowitz. Eineinhalb Jahrzehnte nach Gerd Knesels Tod sind nun 28 ausgewählte Lieder des Künstlers auf einer Doppel-CD erschienen.

Die umfangreiche und kritische  Liedersammlung endet überraschend mit „Paneuropa“, einem Plädoyer für ein starkes und einiges Europa, das seinen Völkern Freiheit und Frieden bietet. Mit einem Europaplädoyer hätte man bei einem als rechts geltenden Barden nicht unbedingt gerechnet, doch das Europa, das Knesel als sein Ziel vorstellt, muß selbst dem kritischsten EU-Skeptiker sympathisch sein.

Wer partout die Kombination aus Musik und Politik will, der sollte von dem Ergebnis der Zusammenarbeit von Gerd Knesel und Hubertus Scheurer einmal etwas gehört haben.       M. R.

Interessenten an der Doppel-CD wenden sich schriftlich an die PAZ / Das Ostpreußenblatt, Stichwort „Gerd Knesel“, Oberstr. 14 b, 20144 Hamburg. Wer schnell ist und etwas Glück hat, bekommt eines von 20 Freiexemplaren. Bestellungen an Dorsi Knesel, Hans-Mayer-Siedlung 32, 21502 Geesthacht, Telefon und Fax (04152)78866.


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