© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-09 vom 28. März 2009

Konrad Badenheuer:
Wahrheiten

Die vierte Berliner Rede von Bundespräsident Horst Köhler war die bisher vielleicht eindrucksvollste. Die Sorge im Vorfeld, Köhler könne mit Blick auf seine nicht völlig gesicherte Wiederwahl im Mai eine glatte Ansprache halten, womöglich Wahlkampf in eigener Sache machen, hat sich als unbegründet erwiesen. Daran ändert auch nichts der spontane Applaus, den das Staatsoberhaupt auch von SPD und Grünen, ja sogar von der Linkspartei erhalten hat.

Köhler hat große Wahrheiten ausgesprochen − und zwar weit deutlicher, als man sie von aktiven Politikern gewöhnlich hören kann. Er hat kein Patentrezept zur Überwindung der Krise angeboten, obwohl gerade er als früherer Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds, der in dieser Funktion nachweislich genau die Maßnahmen gefordert hat, von denen heute klar ist, daß sie die Krise hätten verhindern können, dazu wohl mehr als fast alle anderen in der Lage wäre.

Statt Einzelmaßnahmen zu benennen (hier beließ es Köhler bei zwei Punkten, die umso mehr Beachtung verdienen) appellierte der Präsident im Grunde zu nichts anderem als zur Rückbesinnung auf die klassischen Tugenden, die man auch als „preußische“ bezeichnet und mit denen unser Land schon weit größere Herausforderungen überwunden hat: Sparsamkeit, langfristiges Denken, Anstrengung, Verantwortung und persönliche Haftung, Transparenz und Rechtstreue, aber auch Selbstkritik, Friedfertigkeit und Demut vor der Freiheit waren Schlüsselworte seiner Rede. Es ist erstaunlich, aber auch erfreulich, daß ihm dafür auch die politische Linke Applaus gespendet hat.


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