© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-09 vom 28. März 2009

Arme Länder in der Zange
Verfall der Rohstoffpreise, Kapitalabfluß, Marktabschottung

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn brachte die Verzweiflung der Auguren, die ständig ihre Vorhersagen korrigieren müssen, auf den Punkt: „Die Worte veralten einem im Mund.“ Die Zukunft verdüstert sich scheinbar wöchentlich. Für die sogenannten Schwellenländer hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) kürzlich immerhin gute Nachrichten: Die reichen Länder würden am härtesten getroffen, während Staaten wie Indien oder Brasilien schneller zur Erholung übergehen würden.

Doch auch die „Halbwertzeit“ dieser Prognose könnte sich als kurz erweisen. Denn trotz aller Beteuerungen, nicht der Versuchung des „Protektionismus“ zu erliegen, mehren sich die Anzeichen, daß die reichen Industriestaaten ihre Märkte teilweise abschotten könnten.

Die Demokraten von US-Präsident Barack Obama waren mit ihrem Vorschlag einer „Kauf amerikanisch“-Klausel bei der Verwendung von Geldern aus dem Konjunkturprogramm Vorreiter auf dem gefährlichen Weg. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy erregte Aufsehen, als er Beihilfen für die französischen Autokonzerne davon abhängig machen wollte, daß diese Arbeitsplätze in Frankreich auf Kosten ausländischer Produktionsstandorte erhalten sollen.

Allerdings wirken gezielte Hilfen für heimische Betriebe letztlich ähnlich wettbewerbsverzerrend wie Schutzzölle, die das klassische Mittel des Protektionismus darstellen. Entgegen der verhalten optimistischen Prognose des IWF befürchten Experten, daß gerade die sogenannten Schwellenländer unter dieser subtilen Art der Marktabschottung durch die reichen Industrieländer leiden werden. Den Milliardenbergen, welche die wohlhabenderen Länder derzeit für Konjunkturprogramme, Bankenhilfen und ähnliches aufbringen, können die relativ finanzschwachen Schwellenländer kaum etwas entgegensetzen. Ohnehin haben die Weltmarktpreise für Rohstoffe und Agrarprodukte, für viele ärmere Länder bislang eine Haupteinnahmequelle, schon auf breiter Front nachgegeben. Auch die Überweisungen von Gastarbeitern in ihre Heimatländer gehen zurück.

Von Arbeitnehmern und Politikern in Europa oder den USA argwöhnisch beobachtet, haben sich die Schwellenländer indes zunehmend zu niedrigpreisigen Produktionsstandorten für große Weltkonzerne gemausert. Die sinkende Nachfrage in den reichen Ländern aber schlägt jetzt brutal durch auf zigtausende Fabriken von Brasilien über Pakistan bis Thailand. Indirekte Wettbewerbsverzerrungen durch Konjunkturprogramme droht deren Lage weiter zu verschärfen.

Hinzu kommt, daß bisherige Investoren ihr Geld massenhaft aus Schwellenländern zurückziehen. Etwa, um den Konzernkern in einem Industrieland zu sichern oder schlicht um Liquidität zu erhalten.                  Hans Heckel


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