© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-09 vom 28. März 2009

Ein netter Besuch
von Konrad Badenheuer

Was Angela Merkel von den Vertriebenen möchte ist klar: Gewählt werden. Deswegen absolvierte sie vergangene Woche in Berlin gleich zwei Auftritte beim BdV. Aber was wollen die Vertriebenen von der Kanzlerin? Welche realistischen Anliegen haben sie − abgesehen von der baldigen Errichtung des seit nunmehr zehn Jahren in Berlin geplanten „Zentrums gegen Vertreibungen“?

Niemand rechnet ja damit, daß deutsche Politiker im Gespräch mit Warschau oder Prag beispielsweise die offene Eigentumsfrage aufwerfen würde, auch wenn solche Gespräche mit Rumänien durchaus geführt werden. Aber auch unterhalb dieser Schwelle könnte sehr viel geschehen.

Warum verlangt die Bundesregierung von den betreffenden Ländern nicht, daß in Massengräbern aufgefundene Vertreibungsopfer würdig behandelt und vor der endgültigen Beisetzung identifiziert werden?

Warum verschweigen deutsche Schulbücher, daß es 1920 einen polnisch-sowjetischen Krieg gab, daß im ehemaligen „Ostpolen“ die Polen nie auch nur annähernd in der Mehrheit waren, daß schon zwischen 1919 und 1924 über eine Million Deutsche aus dem damaligen Polen vertrieben wurden und daß 1945 keineswegs alle polnischen Politiker die Oder-Neiße-Grenze anstrebten? Warum ermittelt keine deutsche Staatsanwaltschaft in Sachen Vertreibungsverbrechen? (Beides ist Ländersache, einverstanden, aber CDU und CSU stellen ja auch Landesregierungen.) Warum sprechen auch öffentlich-rechtliche Sender meist von „Klaidepa“ und penetrant von „Liberec“ statt von „Memel“ und „Reichenberg“? Warum bekommen hoch angesehene Persönlichkeiten, die die Sache der Vertriebenen jahrelang selbstlos gefördert haben, wie etwa Alfred de Zayas, keine Ehrungen? Warum gibt es für die Erforschung großer „weißer Flecken“ in der Geschichte des deutschen Ostens und der Vertreibung keine Mittel? Warum sind die Mittel für die heimatverbliebenen Deutschen so knapp bemessen, daß deren Assimilation schier ungebremst voranschreitet?

Warum sprechen Vertreter von Bundesregierung und CDU (fast wörtlich wie einst die SED!) immer öfter davon, das NS-Regime sei die „Ursache“ der Vertreibung gewesen?

Apropos NS-Regime: Warum engagiert sich Berlin nicht zumindest für die Rückgabe des jüdischen Eigentums in den Vertreibungsgebieten? Und warum bleibt linksextremistische Polemik gegen die Vertriebenen auch dort, wo sie nach den bei Rechtsextremisten angelegten Maßstäben die Schwelle zu Beleidigung, Volksverhetzung und Herabwürdigung des Andenkens Verstorbener klar überschreitet, ohne Sanktion?

Es wäre nicht schwer, mit solchen − politisch und finanziell leicht machbaren − Schritten die Vertriebenen als treue Wählergruppe der Union zurückzugewinnen. Aber die Vertriebenen freuen sich natürlich auch, wenn Bundeskanzlerin Merkel sie einfach nur besucht.

Foto: Ein Bild der Eintracht: Bei aller Freude über das gute persönliche Verhältnis zwischen BdV-Präsidentin Erika Steinbach und Bundeskanzlerin Angela Merkel bleibt doch die Frage erlaubt, was die Bundesregierung für die Vertriebenen konkret tut.


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