© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-09 vom 28. März 2009

Wie Königinnen sich pflegten
Schönheitsrezepte aus alter Zeit laden nicht immer zur Nachahmung ein — So kommt man fit in den Frühling

Die ersten warmen Sonnenstrahlen künden vom nahenden Frühling, endlich. Man wagt sich wieder ins Freie und träumt schon vom Sommer. Mancher denkt an den nächsten Urlaub am Strand, an den ersten Besuch im Freibad in diesem Jahr. Ein kritischer Blick trübt diese Vorfreude jedoch schnell: Mit dieser Figur ist kein Staat zu machen. Die Pfunde, die man sich im Winter angefuttert hat, müssen runter. Da hilft nur noch: FdH und viel Gymnastik, viel Bewegung im Freien. In ganz schweren Fällen ist sogar Heilfasten angebracht, aber bitte nur unter ärztlicher Beobachtung.

Die amerikanische Schauspielerin Elizabeth Taylor galt einmal als schönste Frau der Welt. Mittlerweile ist auch sie „in die Jahre gekommen“ und weise geworden: „Es ist nicht mehr mein Ehrgeiz, gertenschlank zu sein. Allerdings muß ich mehr auf meine Linie achten, weil ich für mein Leben gern esse.“

Taylors Trick: jede Woche ein Fruchtsafttag. Danach kann man wieder nach Herzenslust schlemmen. In der Rolle der Kleopatra hat man Elizabeth Taylor noch heute gut in Erinnerung. Die ägyptische Königin gilt als das klassische Ideal einer schönen Frau. Und sie tat viel dafür, schön zu bleiben. So schminkte sie nicht nur Augen, Wimpern und Brauen, sondern tat auch etwas gegen Mundgeruch. Eine Mischung aus Myrrhe, Wacholderbeeren, Bockhornkleesamen, Rosinen und Honig soll geholfen haben. Zum Schminken benutzte Kleopatra übrigens Malachitpaste, Ruß, Rindertalg und Bienenwachs. Ein Rezept, das man heute noch nachvollziehen kann. Weniger dürfte dies der Fall sein, wenn es um die Antifaltencreme der Königin geht: Zyperngraswurzeln, Kiefernharz, Schminkwurzeln und Rindertalg wurden miteinander vermischt, erhitzt und dann brennendheiß aufgetragen. Kein Wunder, daß dann keine Falten mehr zu sehen waren!

Da liest sich doch das Rezept der schottischen Königin Maria Stuart wesentlich angenehmer: Nach einem Bad in edlem Wein ließ sie sich mit einem Hautöl einreiben, das aus je vier Einheiten Mandelöl und Rosenwasser bestand; allerdings wurde auch ebenso viel Fischtran hinzugefügt. Marie-Antoinette, Gattin des französischen Herrschers Ludwig XVI., hingegen schwor auf Buttermilch, die sie nicht nur täglich trank, sondern mit der sie auch Gesicht, Hals und Hände einrieb. Ihre sprichwörtliche Schönheit bewahrte sie jedoch nicht vor dem Schafott.

Königin Elisabeth von Ungarn, die im 13. Jahrhundert lebte, rieb sich jeweils nach dem Bade mit einer Mixtur ein, die zuvor drei Wochen hatte ziehen müssen. Sie bestand aus 350 Gramm Rosmarin, 30 Gramm geriebene Zitronenschalen, 30 Gramm Pfefferminze, 30 Gramm Melisse, einem Viertelliter Rosenwasser und ebenso viel Alkohol. Wenn man allerdings bedenkt, daß in alten Zeiten weitaus weniger auf die Hygiene geachtet wurde als heute, dann scheinen Rosmarin, Zitrone und Pfefferminze dringend notwendige Duftstoffe zu sein. So gab es zum Beispiel am Hofe der Katharina von Medici keine einzige Bademöglichkeit. Und selbst für Kaiser Wilhelm I. mußte noch eine Badewanne aus einem Berliner Hotel in den Palast geholt werden! Heute greift man kurzerhand zu einer erlesenen Lotion oder zu einem erfrischenden Duschbad, will man sich etwas Gutes tun.

Genießerinnen jedoch ziehen selbstgemachte Badezusätze vor, wie etwa das Kalmusbad von Olga Tschechowa (300 Gramm Kalmus aufkochen, ziehen lassen und zum Badewasser dazugeben) oder ein Buttermilchbad. Beides ist ideal bei trockner Haut, die gut durchblutet wird und so bald wieder jung und frisch aussieht.

Es müssen keine exotischen Schönheitsrezepte sein, die den Körper wieder in Schwung bringen. Ausreichend Schlaf, Bewegung an der frischen Luft und eine positive Einstellung zum Leben tun oft Wunder.           Os


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