© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-09 vom 04. April 2009

Wie sich China Afrika unter den Nagel reißt
Der Run Pekings auf die letzten Ressourcen stärkt Diktatoren – Langfristiges Vorgehen, trotz der Krise

Unlängst hat der Weltstrafgerichtshof gegen Sudans Präsidenten Omar al-Bashir wegen grober Menschenrechtsverletzungen und Begünstigung des Völkermordes in Darfur Haftbefehl erlassen. Doch die Volksrepublik China schlägt sich, nicht ganz unerwartet, auf die Seite des Verurteilten.

Grund für das Ignorieren aller rechtsstaatlicher Regeln und die Konfrontation mit der Weltgemeinschaft: Der Hunger Chinas nach Öl und anderen Rohstoff-Ressourcen. Und während sich die großen Industrienationen um die Reserven der Arktis und die Vorräte in der Antarktis streiten, hat sich Peking ganz leise zu den globalen Akteuren auf dem afrikanischen Kontinent gesellt und sie zum Teil bereits überrundet. Denn nach wie vor ist Afrika eine der letzten Schatztruhen für ökonomisch wichtige und weltweit immer knappere Rohstoffe.

In den letzten acht Jahren hat sich das Handelsvolumen der roten Volksrepublik mit Schwarzafrika verzehnfacht und längst die Grenze von 100 Milliarden Dollar hinter sich gelassen. Im Sudan beispielsweise ist China der größte Investor und bezieht täglich Millionen Faß Rohöl aus diesem nordostafrikanischen Wüstenland. Der jüngste Schmeichelkurs in Richtung des Diktators in Khartum soll diese Pfründe sichern und die chinesischen Arbeiter und Ingenieure im Sudan vor gegen den Westen gerichteten Rache-Pogromen schützen.

Nach Erhebungen aus dem Jahre 2006 machen Öl und Gas rund 62 Prozent der Ausfuhren Afrikas nach China aus, gefolgt von 13 Prozent andere Rohstoffe wie etwa Kupfer aus dem Kongo und aus Sambia. Peking betreibt seinen Vormarsch auf dem „vergessenen Kontinent“ ganz systematisch. Der Energie- und Rohstoffhunger der chinesischen Volkswirtschaft kann aus den Lagerstätten im eigenen Land nicht befriedigt werden, und aus dieser expansionshemmenden Lage heraus erklären sich die politischen Klimmzüge ebenso wie die einseitige Besetzung der Spratley-Ölsände in der Chinasee.

Gegenwärtig gilt Angola als Schwerpunkt der gelben Kapitalinvasion, gefolgt von Sudan, Nigeria, Äthiopien, Sambia und dem Kongo. In Togo ist die chinesische Invasion sogar so dominant, daß die Einheimischen von „chinesischen Teufeln“ sprechen. Im Gefolge der politisch und wirtschaftlich geknüpften Bande siedeln sich auch Hunderte von chinesischen Händlern in den betreffenden Ländern an und unterbieten die örtlichen Krämerläden, ruinieren die Textilwirtschaft dieser Staaten und machen sich im Baugewerbe breit. Denn Peking sendet meist nicht nur Geld für Investitionen in Infrastruktur, Bergbau und Verkehrswesen, sondern zudem auch seine eigenen Arbeiter an die Front und nimmt den Eingeborenen damit dringend benötigte Jobs weg. 

Abgesehen von diesem negativen Effekt folgen die roten Machthaber dem vom Westen lange Jahre imperialistisch verfolgten Strick-muster der verschleierten Ausbeutung: Rohstofflieferung und Dienstleistungen (wie etwa das kürzliche Hochschießen eines Nachrichtensatelliten für Nigeria) gegen Rohstoffe, Schuldenfalle, Ressourcenentnahme ohne nennenswerte Weiterverarbeitung vor Ort. Immerhin standen den Ausfuhren zur Verrechnung Importe von 45 Prozent Fertigwaren, 31 Prozent aus Maschinen und Waffenlieferungen gegenüber (das „Schiff der Schande“ mit Waffen für Simbabwes brutalen Diktator Mugabe gehörte dazu). Heftige Kritik bei vielen Afrikanern löst in diesem Zusammenhang vor allem die Tatsache aus, daß Rotchina despotische Regenten unterstützt und so die afrikanischen Menschenrechtsbewegungen konterkariert sowie humanitär katastrophale Zustände festschreibt.

Zwar hat die gegenwärtige, globale Finanz- und Wirtschaftskrise den Elan aus Fernost gebremst und in einigen Gebieten zu einem strategisch am Rückgang des sinkenden Rohstoffbedarfs orientierten Rückzug geführt. Doch sind sich Marktbeobachter über die langfristig angelegte Orientierung Chinas einig. Mit wieder anziehender Weltkonjunktur werden die Machthaber in Peking auch wieder vermehrt auf die alte Taktik zurück-greifen. Immerhin sind seit 2008 im schwer von der Krise betroffenen sambischen Kupfergürtel rund 100 chinesische Kleinunternehmer abgezogen, im benachbarten Kongo warfen 60 chinesische Bergbaufirmen das Handtuch, der Plan der China Railway Construction Corp. mit einem Investment von neun Milliarden Dollar ein funktionierendes Eisenbahnnetz in Nigeria zu schaffen, stockt ebenso wie das Investment von weiteren fünf Milliarden in andere Infrastrukturprojekte dieses Landes.

Da aber die gegenwärtige Krise und der drastische Preisverfall für die Grundstoffe wie Kupfer und Erz viele afrikanische Rohstoffländer beutelt, dürften diese nach Meinung von Wirtschaftsexperten umso leichter zu späteren „Opfern“ der Industriestaaten werden, zu denen auf afrikanischem Boden neben den Chinesen neuerdings auch Südkorea, Rußland, Indien und Brasilien zählen. J. Feyerabend


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