© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-09 vom 04. April 2009

Magierin der Macht
von Konrad Badenheuer

Falls es so etwas wie die Seelenwanderung geben sollte, muß Bundeskanzlerin Merkel in ihrem früheren Leben mindestens Verpackungskünstlerin, wenn nicht Chamäleon gewesen sein. Man kann immer wieder nur staunen, wofür Merkel vor welchem Publikum Applaus einsammelt. Hat sie nicht schweigend zugesehen, wie BdV-Präsidentin Erika Steinbach von einer ekelhaften Koalition polnischer Nationalisten und deutscher Linkspolitiker aus dem Stiftungsrat des in Berlin geplanten Zentrums gegen Vertreibungen gekegelt wurde? Macht nichts, Merkel besucht die Vertriebenen, wird vor laufenden Kameras von Frau Steinbach umarmt und bekommt zumindest freundlichen Applaus.

Auf die Arbeiter bei Opel hat die Physikerin, der SPD-Chef Müntefering kürzlich das Zeug zum Nobelpreis attestierte, falls sie in ihrem Fach geblieben wäre, nun eine ähnlich suggestive Wirkung entfaltet. Eigentlich haben alle nur darauf gewartet, daß sie sagt: „Es gibt Geld vom Bund zur Rettung Eurer Arbeitsplätze.“ Das hat sie − völlig zu Recht − nicht gesagt. Das Erstaunliche daran ist nur, daß die Opel-Arbeiter sie trotzdem mit stehendem Applaus verabschiedet haben. Natürlich sprach etwa die Forderung, GM müsse mehr für Opel tun, ihren Zuhörern aus dem Herzen. Aber verstanden diese denn nicht, daß dieser Satz aus dem Mund der Kanzlerin bedeutet: Es gibt (vorerst) keine Hilfe aus Berlin? Natürlich freut sich jeder Opelaner über das Loblieb der Kanzlerin auf die Arbeit im Opel-Entwick-lungszentrum. Verstanden die Zuhörer denn nicht die Botschaft: Aber mit der Montage der Autos ist es hier wohl bald vorbei?

Dieter Althaus, der Ministerpräsident von Thüringen, hat Angela Merkel einmal „die Magierin der Macht“ genannt. Wer wollte ihm widersprechen?


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