© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-09 vom 04. April 2009

Figürlich
Ausstellung Waldemar Otto in Bremen

Das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen zeigt derzeit Werke des Bildhauers Waldemar Otto, einem der bedeutenden Vertreter der figürlichen Bildhauerkunst in Deutschland. Geboren 1929 in Petrikau hat Otto großen Einfluß auf die Entwicklung und Erneuerung der figürlichen Tradition ausgeübt. Mit seiner Lehrtätigkeit wurde er zum „Vater der Bremer Bildhauerschule“. Die Ausstellung mit dem Untertitel „Keine Retrospektive!“ präsentiert Arbeiten aus allen Werkphasen und liefert so einen „fortgeschrittenen Zwischenbericht“. Der Titel dieser Ausstellung möchte nicht zuletzt auch zeigen, daß die Arbeiten Ottos, ohne „Gegenwartskunst“ zu sein, im jeweiligen Hier und Jetzt aktuell sein können. 1948 nahm Waldemar Otto das Studium der Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei Alexander Gonda auf. Unter der Leitung des Malers Karl Hofer (1878–1955) trafen hier künstlerische Positionen aus der Zeit der Weimarer Republik auf aktuelle internationale Entwick-lungen, woraus sich ein sehr lebendiger Lehrbetrieb ergab. Otto hat damals für mehr als 20 Kirchen in Berlin Aufträge ausgeführt. Dies ermöglichte ihm, als Bildhauer seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ab Mitte der 1950er Jahre entwickelte er ein autonomes Oeuvre. Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Entwicklung des Bildhauers, der zu den Künstlern gehört, die das Feld der figürlichen Bildhauerei erheblich erweiterten, indem sie die menschliche Figur mit unterschiedlichen plastischen Motiven kombinierten. So entwickelte Otto 1969 die Idee, den Raum direkt in eine Skulptur hineinzunehmen. Er nahm Güsse des gleichen stehenden weiblichen Torsos und inszenierte diese höchst unterschiedlich, indem er sie jeweils in Beziehung zu Wandelementen setzte, die selbst Teil des Kunstwerks waren.    PAZ

Die Ausstellung im Bremer Gerhard-Marcks-Haus, Am Wall 208, ist bis 10. Mai dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

Foto: Waldemar Otto: Drehtür (Bronze, 1983)


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