© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-09 vom 04. April 2009

Die Schönheit der Mark entdeckt
Der Schlesier Kayser-Eichberg malte die karge Landschaft bei Berlin

Die Mark Brandenburg, auch die „Streusandbüchse“ Preußens genannt, war für Künstler gemeinhin nicht sonderlich attraktiv. Dennoch konnten Maler wie der Bromberger Walter Leistikow und der Schlesier Carl Kayser der Landschaft einiges abgewinnen. Mit ihren Bildern haben sie diesem Landstrich ein Denkmal gesetzt. Eine Ausstellung in der Berliner Galerie Barthelmess & Wischnewski stellt nun zum ersten Mal Bilder von Kayser in den Mittelpunkt.

Im schlesischen Eichberg 1873 geboren, kam Carl Kayser bereits als Fünfjähriger ins märkische Neuruppin, wo er seine Jugendjahre verbrachte. Den üblichen Bedenken der Eltern gegenüber konnte sich der Abiturient widersetzen. Er war fest entschlossen, Malerei zu studieren. Eigentlich war die seinerzeit berühmte Münchener Akademie das Ziel des angehenden Künstlers. Da es in Berlin jedoch Verwandte gab, die bereit waren, sich ein wenig um den jungen Maler zu kümmern, fand man vorerst einen Kompromiß: Carl sollte zunächst einmal die Berliner Akademie besuchen, um festzustellen, ob ihm das Studium der Malerei überhaupt liege.

1893 schrieb sich Carl Kayser-Eichberg, der seinen Namen um den seiner Geburtsstadt erweitert hatte, um sich von weiteren Namensvettern zu unterscheiden, an der Berliner Akademie für die Landschafterklasse unter der Leitung von Eugen Bracht ein. Bracht, seinerzeit einer der fortschrittlichsten Lehrer an deutschen Hochschulen, begeisterte den jungen Künstler jedoch derart, daß er sein gesamtes Studium in Berlin absolvierte. So war es sicherlich auch seinem Lehrer zu verdanken, daß Kayser-Eichberg alsbald die bis zu diesem Zeitpunkt als Motiv der Malerei so geschmähte Berliner Umgebung für sich und seine Kunst entdeck-te. 1900, ein Jahr nach Beendigung seines Studiums bei Bracht, stellte Carl Kayser-Eichberg erstmals mit Erfolg auf der Großen Berliner Kunstausstellung aus, die er von nun an regelmäßig beschickte. 1904 gehörte er zu den Mitbegründern des Märkischen Künstlerbundes, einer Vereinigung von ehemaligen Bracht-Schülern, die sich mit Nachdruck der Darstellung der Mark Brandenburg widmeten; ein Unterfangen, das damals weitaus weniger akzeptiert war, als man es sich heute vorstellen kann, galten Berlin und sein Umland doch schlichtweg als „langweilig“ und „unromantisch“. Diese Einstellung änderte sich erst durch die Erfolge Eugen Brachts und Walter Leistikows. Auch die zunehmende Wertschätzung der Schriften Theodor Fontanes, mit dem Kayser-Eichberg freundschaftlich verbunden war, trug dazu bei, daß die Mark Brandenburg mehr ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wurde.

1911 entschied sich die Jury der Großen Berliner Kunstausstellung, Kayser-Eichberg mit der Goldenen Medaille auszuzeichnen – der höchste deutsche Preis, der vom Kaiser persönlich verliehen wurde. Damit war der junge Maler nun endgültig auch in weitesten Kreisen als Künstler anerkannt. Weitere, auch ausländische Auszeichnungen festigten den Ruf Kayser-Eichbergs, der 1914 mit Kollegen aus dem Märkischen Künstlerbund beauftragt wurde, die Brandenburghalle des Rathauses Schöneberg mit großformatigen Wandmalereien zu gestalten. Ab 1919 lebte Kayser-Eichberg bis zu seinem Tod im Jahr 1964 in Potsdam.

Mitte der 30er Jahre wurde die Palette des Künstlers zunehmend dunkler und seine Gemälde wurden schwerer, ja, fast mystisch. Die Ausstellung zeigt jedoch ausschließlich Arbeiten aus Kayser-Eichbergs früher Schaffenszeit in dem für ihn so typischen „breiten, impressionistischen Stil“ (Thieme-Becker). Ergänzt wird die Ausstellung durch Arbeiten seiner Kollegen aus dem Märkischen Künstlerbund, einem Gemälde seines Lehrers Eugen Bracht und einer Arbeit des von ihm bewunderten Berliner Impressionisten Franz Skarbina.            gbw / os

Die Ausstellung in der Galerie Barthelmess & Wischnewski, Giesebrechtstraße 10 / Ecke Kurfürtendamm, Berlin, ist bis zum 2. Mai montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und von 14.30 bis 18.30 Uhr sowie sonnabends von 11 bis 15 Uhr geöffnet.

Foto: Carl Kayser-Eichberg: Aus der Mark (Öl, um 1925)


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