© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-09 vom 04. April 2009

Österreichs Erhebung
Vor 200 Jahren begann der Kaiserstaat den Fünften Koalitionskrieg

Der Tilsiter Frieden, mit dem am 7. und 9. Juli 1807 der Vierte Koalitionskrieg zu Ende gegangen war, hatte Österreich in eine unangenehme Situation gebracht. Preußen war bis auf weiteres als Großmacht ausgeschaltet, und Rußland hatte sich mit Frankreich arrangiert. Somit stand die österreichische der aggressiven französischen Großmacht auf dem Kontinent alleine gegenüber.

Hoffnung machte den Österreichern in dieser Situation die nationale Erhebung in Spanien gegen die französische Fremdherrschaft. Im Sommer 1808 gelang es den Spaniern mit den Mitteln des asymmetrischen Krieges, ein französisches Korps zur Kapitulation und den von Napoleon oktroyierten König Joseph Bonaparte zur Flucht zu zwingen.

Wenn dem vergleichsweise kleinen Volk der Spanier derart große Erfolge gegen den Usurpator gelangen, wozu müßten dann erst die Deutschen unter Österreichs Führung fähig sein, fragte man sich hoffnungsfroh in Wien. Der Wunsch, der hier Vater des Gedankens war, lautete, daß auch in Deutschland ein Sturm losbreche, wenn nur Österreich einmal Frankreich den Krieg erklärt und alles entsprechend vorbereitet hatte. Rußland signalisierte trotz des offiziellen Arrangements von Tilsit mit Frankreich augenzwinkernd Sympathie für ein österreichisches Losschlagen, und möglicherweise konnte man bei einem erfolgreichen österreichischen Feldzug gegen Frankreich ja doch noch den wenig entscheidungsfreudigen Preußenkönig für eine Parteinahme gewinnen.

In dieser Situation rührte der Kaiserstaat in einem Ausmaße, wie man es von dem konservativen Vielvölkerstaat nicht unbedingt hätte erwarten können, die deutschnationale Werbetrommel. Man muß es klar sagen: In dieser Phase war nicht wie später in den Befreiungskriegen Preußen, sondern eindeutig Österreich der Hoffnungsträger der deutschen Patrioten.

Vor 100 Jahren schlugen die Österreicher los. Am 10. April 1809 begann der sogenannte Fünfte Koalitionskrieg. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit erwiesen sich jedoch die österreichischen Hoffnungen als leer. Das Volk der Deutschen, von denen Lenin meinte, sie würden eine Bahnsteigkarte kaufen, bevor sie auf dem Bahnhof eine Revolution machen würden, lehnte sich in den Rheinbundstaaten mehrheitlich nicht gegen seine Herrscher von Napoleons Gnaden auf. Eine glorreiche Ausnahme bildeten die Tiroler unter Andreas Hofer, aber eine Schwalbe macht eben noch keinen Sommer. Auch Preußen hielt sich zurück.

Den Österreichern selber gelang zwar in der Schlacht bei Aspern am 21./22. Mai 1809 der erste Sieg über Napoleon überhaupt, aber entscheidend war Bonapartes Sieg in der Schlacht bei Wagram vom 4./5. Juli 1809. Österreich mußte deshalb im Fünften Koalitionskrieg wie zwei Jahre zuvor Preußen im Vierten um Frieden nachsuchen und fortan seine Politik bis zu den Befreiungskriegen an Bonapartes Interessen orientieren.

Am 14. Oktober 1809 schlossen Österreich und Frankreich den Vertrag von Schönbrunn. Dieser Frieden war hart. Österreich verlor seinen Zugang zum Meer und 100000 Quadratkilometer mit dreieinhalb Millionen Einwohnern. Die Heeresstärke wurde auf 150000 Mann begrenzt. Allerdings sprach aus dem Frieden von Schönbrunn nicht jener Vernichtungswille, der den Frieden von Tilsit kennzeichnet. Während der Tilsiter Frieden die preußisch-französischen Beziehungen über Generationen vergiftete, tat der Frieden von Schönbrunn dieses nicht.    Manuel Ruoff


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren