© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-09 vom 04. April 2009

»Hunde, wollt ihr ewig leben?«

Frank Wisbar, der aus Tilsit stammende Regisseur, setzte mit „Hunde wollt ihr ewig leben?“ den bisher besten und realistischsten Film über die Katastrophe der 6. Armee in Stalingrad in Szene. Stalingrad zählt wie die Vertreibung von Millionen Deutschen aus ihrer angestammten Heimat oder die Bombennacht von Dresden zu den Traumata der Kriegsgeneration. Wisbar drehte bereits vor 1933 verschiedene Filme in Deutschland und blieb dort auch nach der „Machtergreifung“ Hitlers. Erst 1938 emigrierte er – vor allem mit Rücksicht auf seine Ehefrau, die nach den Kriterien der Nürnberger Rassegesetze nicht als Arierin galt. Von 1939 bis 1954 drehte er in Großbritannien und den USA einige Kinofilme. Als US-Staatsbürger kehrte Wisbar in seine Heimat zurück. Schon ein Jahr vor „Hunde wollt ihr ewig leben?“ hatte er mit dem U-Bootfahrerfilm „Haie und kleine Fische“ einen großen Erfolg. 1959 drehte er das Heimatvertriebenendrama „Nacht fiel über Gotenhafen“ über die Versenkung des Flüchtlingsschiffes „Wilhelm Gustlof“. Weniger bekannt ist heute sein Film über die Flucht eines Reichsbahners aus der DDR, der 1963 in die Kinos kam.

Wisbar gelang mit seinem Stalingradfilm eine sachlich-realistische Darstellung der damaligen Ereignisse. Sie stand im Gegensatz zu den Jubelfilmen der Sieger, die in den Studios ihre militärischen Erfolge nochmals feierten, oder den volkspädagogischen Werken der Umerziehung. Der Zuspruch an der Kinokasse belegte dies. Auch heute noch erfährt man durch Wisbars Stalingradfilm mehr über die Abläufe als im Vilsmeier-Film über dasselbe Thema aus dem Jahre 1993.

Wisbar läßt die Zuschauer an den historischen Ereignissen teilhaben, aber auch die menschlichen Abgründe werden thematisiert. So verzettelt sich der Film nicht in vielleicht interessanten, aber historisch belanglosen Einzelheiten. Frank Wisbar fand das rechte Maß. Vor 50 Jahren, am 7. April 1959, kam „Hunde wollt ihr ewig leben?“ in die deutschen Kinos. Der Regisseur starb am 17. März 1967 in Mainz.  Hans Lody


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