© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-09 vom 04. April 2009

Psychokrieg und Mord
Mysteriöser Amoklauf in einer Schule

Eigentlich ist alles offensichtlich: Ein Amoklauf in einer Schule, elf tote Lehrer und Schüler und ein Amokläufer, der erschossen mit seinen Waffen neben sich in einem Umkleideraum gefunden wird. Doch die Wiesbadener Polizei ist skeptisch, denn der Zeuge Sven Strothe berichtet, daß er bereits einem Tag vor dem Massaker am Clemens-Brentano-Gymnasium von dem Amokschützen Nikolas Hrubesch für den Tattag in einen Raum bestellt worden sei. Dort fand er sich auch ein, und nach dem Mord an elf Menschen kam auch der Täter zum Treffpunkt, doch Sven konnte fliehen, und die Polizei fragt sich, was der Schütze von seinem Mitschüler wollte.

Nach ihrem ersten Roman „Beutegänger“ läßt Silvia Roth in „Querschläger“ nun erneut Kommissar Hendrik Verhoeven und seine Kollegin Winnie Heller ermitteln. Leider nimmt die junge Autorin zu viel Tempo aus ihrem spannenden Fall, indem sie zu sehr die privaten Probleme der Ermittler schildert. Trotzdem gelingt es ihr immer wieder, den Leser in den Verlauf der Handlung hineinzuziehen.

Relativ schnell ist den ermittelnden Beamten bewußt, daß Hrubesch nicht sterben, sondern Sven Strohte als Täter darstellen wollte. Doch der fast perfekte Plan scheiterte. Nicht nur, daß der 18jährige Mitschüler sich nicht erschießen lassen wollte und floh, auch die Kugel im Kopf des Amokschützen belegt, daß es noch eine weitere Person mit Waffe in der Schule gab. Als herauskommt, daß drei bis vier Opfer nicht durch die Waffen von Hrubesch getötet wurden, wird deutlich, daß es noch einen weiteren Täter gab, der im Schatten des Amokläufers sein Unwesen trieb. Eine Hausdurchsuchung beim Täter ergibt, daß er sich über das Internet mit einer Person namens „Devil“ teilweise über seine Pläne ausgetauscht hat. Doch wer ist „Devil“, der aus Internetcafés heraus mit Hrubesch mailte?

Bereits den Amoklauf schildert Silvia Roth aus der Perspektive verschiedener Personen. Schon hier wird deutlich, wie Schüler, aber auch Lehrer zueinander stehen: Mobbing und Zwist bestimmen den Schulalltag. Motive gibt es also viele.

Auch nach dem Amoklauf behält die Autorin den Perspektivwechsel bei. So erschließt sich dem Leser schnell, wer welche Beweggründe für eine Bluttat gehabt haben könnte. Das heißt aber nicht, daß der Leser schnell erahnt, wer der Täter ist. Geschickt hält die Autorin einige Information zurück, so daß sich erst am Ende erschließt, wer den Amoklauf nutzte, um einen eigenen Mord zu vertuschen. Zwar fragt man sich am Ende, warum der Täter einen so komplizierten Weg gesucht hat, um sein Opfer zu töten, doch größtenteils paßt dieser Plan auch zu dem überspannten Ego des Mörders. Bel

Silvia Roth: „Querschläger“, Hoffmann und Campe, Hamburg 2008, geb., 511 Seiten, 14,95 Euro


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