© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-09 vom 13. Juni 2009

Schleichender Kulturkampf
von Harald Fourier

Der Tag wird kommen: Dann gibt es endlich eine Straße, die nach Nomzamo Winifred Zanyiwe Madikizela (auch bekannt als Winnie Mandela) benannt ist. Gleich um die Ecke von der Robert-Mugabe-Allee. Sie wissen doch – am Idi-Awo-Ongo-Angoo-Platz (Geburtsname Idi Amins). Viel Spaß, wenn Sie dort wohnen und jemand Sie nach Ihrer Adresse fragt.

Aber Spaß beiseite. In der deutschen Hauptstadt marschiert die politisch korrekte Mehrheit mit dem Kärcher durch die Stadt und nimmt die skurrilsten Straßenumbenennungen vor, ohne daß es jemanden zu stören scheint. Das jüngste Opfer ist das Gröbenufer in Kreuzberg, das fast unbemerkt von den Berlinern in May-Ayim-Ufer umbenannt wird (PAZ berichtete).

Major Otto Friedrich von der Groeben (1657–1728) stammte aus dem Ermland und besaß Güter in Westpreußen. Er war Soldat und Forschungsreisender im Dienste Brandenburg-Preußens. Er war es, der den Vertrag mit den afrikanischen Stammeshäuptlingen ausgehandelt hat, der das erste bewaffnete Fort Brandenburgs im heutigen Ghana ermöglichte. Früher galt er als bedeutender preußischer Forschungs­reisender,  heute gilt er jedenfalls der in Berlin tonangebenden Linken als der erste deutsche Kolonialist.

Die Hamburger Aktivistin May Ayim war das Kind eines Ghanaers und einer Deutschen. Sie hat ihr Leben dem Kampf gegen mutmaßliche rassistische Diskriminierung gewidmet und gilt als Pionier einer besonderen Sparte der sogenannten Rassismusforschung, der sogenannten „Weißseinsforschung“. Ihr Ziel ist es, das falsche, weil rassistische Selbstbewußtsein von Menschen weißer Hautfarbe zu entlarven. Für die Grünen, die SPD und die Linken ist sie damit qualifiziert, die neue Namensgeberin der Uferstraße zu sein. Ayim nahm sich 1996 36jährig das Leben.

Die Entscheidung ist eine Facette eines schleichenden Kulturkampfs, bei dem es um die Umwertung aller Sichtweisen und die umfassende Neuinterpretation unserer Vergangenheit geht. Gezielt wird die Erinnerung an die eigene Geschichte getilgt und durch eine ideologisch ausgewählte Galerie neuer Idole ersetzt. Idole, um bestimmte politische Sichtweisen so für allgemeingültig, weil gleichsam allgegenwärtig, durchzusetzen.

Mit der Umbenennung des Gröbenufers ist noch lange nicht Schluß. Erstens brauchen die Linken keinen politischen Widerstand zu befürchten. Es gibt ihn so gut wie gar nicht. Zweitens bleibt noch allerhand zu tun. Allein in Kreuzberg-Friedrichshain seien acht Straßen nach „Kolonialverbrechern“ benannt, behauptet die aus Steuergeldern mitfinanzierte „Werkstatt der Kulturen“.


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