© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-09 vom 13. Juni 2009

Angst vor Kreditklemme
Wirtschaftsverbände besorgt – Vorsicht der Banken hat Gründe

Medienwirksam und einmütig haben die führenden deutschen Wirtschaftsverbände vor einer Verschärfung der Kreditklemme gewarnt, die dann ab Sommer zahlreiche Unternehmen in ihrer Existenz bedrohen könnte. Bundeskanzlerin Angela Merkel schloß sich den Bedenken der Vertreter von Industrie, Handel, Handwerk und Arbeitgebern an. Zwar sind die Argumente und Hinweise der Wirtschaft nicht ganz neu, doch so konkret und eindringlich waren die Warnungen vor einer neuen Runde der Konjunkturkrise bisher noch nicht.

Jeder private Kunde weiß, daß wenn er weniger verdient, die Bank auch seine Bonität schlechter einschätzt. Genauso ergeht es jetzt vielen kleinen, mittelständischen und großen deutschen Unternehmen. Ihre Umsätze der letzten Monate sind − je nach Branche unterschiedlich stark − gesunken. Was die Zukunft bringen wird, ist äußerst ungewiß. Daß die Banken, die ja selbst unter Kapitalmangel ächzen, bei einem nun gewachsenen Risiko Kredite nicht mehr so locker vergeben, ist klar. Schon leise Zweifel an der nachhaltigen Zahlungsfähigkeit eines Kunden sorgen schnell für die Ablehnung eines Kredites. Da durch die Verluste der Finanzkrise die Kapitaldecke der Banken trotz zahlreicher staatlicher Stützungsmaßnahmen zurückgegangen ist, ist der Spielraum der Kreditinstitute auch objektiv enger geworden. Zudem verlangen seit 2008 geltende Bilanzregeln für Banken, daß sie bei schlechterer Bonität ihrer Schuldner deren Darlehen mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen − gerade das ist jetzt besonders schwierig.

Und nicht nur das Eigenkapital deutscher Banken ist knapp, ausländische Banken haben sich teilweise genau deswegen aus Deutschland zurückgezogen, so daß die Zahl der Anbieter gesunken ist. Auch die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank führt derzeit dazu, daß in der Phase der kostenintensiven Umstrukturierung und dem Versuch, die schweren Verluste aus der Finanzkrise zu „verdauen“, die potentiellen Kreditgeber weniger werden. Ähnliches gilt für die gestrauchelten Landesbanken, deren zukünftige Struktur noch die politischen Debatten bestimmt.

Gebranntes Kind scheut das Feuer, heißt ein Sprichwort, das die Zurückhaltung bei der Kreditvergabe bündig erklärt. „Von einer generellen Verweigerung von Bankkrediten auf breiter Front zu sprechen“ weist die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) jedoch weit von sich. Zwar sei das Kreditneugeschäft nachweislich zurückgegangen – langfristige Finanzierungen sogar um zwölf Prozent –, doch das läge auch daran, daß viele Unternehmen in Zeiten der Krise langfristige Investitionen zurückstellen würden.

Die Umsetzung der Forderungen der Wirtschaftsverbände nach

Lockerung der Bilanzregeln, schnellerer Gewährung der staatlichen Fördergelder und weiterer Übernahme von Bürgschaften für Kreditversicherungen im Exportgeschäft könnten den Gesundungsprozeß in der Wirtschaft jedoch auch gefährden. Schon jetzt sind die vielen verschiedenen staatlichen Maßnahmen nur schwer zu überblicken.   Rebecca Bellano


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