© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-09 vom 13. Juni 2009

Er war ein Lehrer, Mahner und Dichter

Willy Kramp war es gegeben, seinen Lesern die Augen für das Gegenüber zu öffnen, Augenblicke zu schildern, „in denen die Tiefe der Welt auf dem Antlitz der Dinge erscheint und sie zum Sprechen bringt. Augenblicke, in denen das Wunder des Daseins uns so stark anrührt, daß wir unser enges Ich loslassen können, um ein größeres, weiteres Selbst ahnungsvoll zu ergreifen ... Augenblicke, in denen der plastische Stoff des Menschlichen zu schöpferischem Gestalten einlädt“, wie er 1981 im Vorwort zu seinem Buch „Wintermai und Sommerschnee“ schrieb.

Willy Kramp wurde am 18. Juni 1909 als Sohn eines aus Westpreußen stammenden Eisenbahnbeamten und einer ostpreußischen Mutter im elsässischen Mühlhausen geboren. Nach der Ausweisung aus dem Elsaß 1919 zog die Familie ins pommersche Stolp, wo Kramp die Schule besuchte. In Bonn, Berlin und Königsberg studierte er Philologie, Philosophie und Psychologie. Nach dem Staatsexamen und der Promotion unterrichtete Kramp an einer privaten Mädchenschule in Königsberg, bis er 1939 als Heerespsychologe einberufen wurde. Erst 1950 wurde er aus sowjetischer Gefangenschaft entlassen. Der Krieg und vor allem die Gefangenschaft waren es, die den Menschen und später auch das Werk entscheidend geprägt haben.

Von 1950 bis 1954 wirkte Willy Kramp als Leiter des Evangelischen Studienwerkes in Villigst bei Schwerte, wo er bis zu seinem Tod am 19. August 1986 als freier Schriftsteller mit seiner Frau gelebt hat. Aus seinen Romanen („Brüder und Knechte“, „Die Fischer von Lissau“) und Essays, aber auch aus seinen Gedichten spricht immer wieder der tiefe Glaube des Dichters.

Für sein literarisches Schaffen wurde Kramp mit zahlreichen Preisen geehrt, so 1966 mit dem Droste-Hülshoff-Preis. 1975 wurde ihm die theologische Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule Berlin verliehen; zehn Jahre später ehrte ihn die Landsmannschaft Ostpreußen mit der Verleihung des Ostpreußischen Kulturpreises für Literatur. In seinen Dankesworten betonte Kramp, wie wichtig es sei, im „gläubigen Realismus“ zu wurzeln. Aus einer solchen Lebenshaltung erwachse etwas sehr Wesentliches: Kultur. „Eine Kultur, die sich nicht nur Wohlstand zum Ziel setzt, sondern geistige Tiefe, Schöpfertum und Menschlichkeit.“

Bereits 50 Jahre zuvor hatte Kramp Worte niedergeschrieben, die auch heute noch bedeutungsvoll sind: „Wo im schlichten täglichen Leben zwischen Mensch und Mensch die Fähigkeit des genauen Hörens erlischt, da erlischt zugleich nicht nur die Fähigkeit, Offenbarungen des Menschengeistes in Wort und Schrift voll aufzunehmen, sondern da erlischt endlich auch der Gehorsam gegen den im göttlichen Wort geoffenbarten Willen Gottes.“             os


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