© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-09 vom 13. Juni 2009

»100 Litas für die Wolfskinder«
Wolfgang Freiherr v. Stetten wirbt erfolgreich um Spenden und Patenschaften – »Wie ein rettender Vater für uns«

Außerordentlich gut läuft die Spendenwerbung „100 Litas für die Wolfskinder“. Das unterstreicht der ehemalige Vorsitzende der Deutsch-Baltischen Parlamentariergruppe, Professor Dr. Wolfgang Freiherr v. Stetten, äußerst dankbar.

Wolfgang von Stetten, heute Honorarkonsul der Republik Litauen, kümmert sich neben der Bundesgeschäftsführung der Landsmannschaft Ostpreußen bereits seit seiner ersten Begegnung mit einer Gruppe der Wolfskinder im Herbst 1992 um die ostpreußischen Waisen in Litauen. Heute leben noch knapp 100 Wolfskinder in Litauen, die in den Nachkriegswirren als Zwei- bis 14jährige im Nachbarland Nahrung und Aufnahme fanden.

Bei der Gründung ihres Vereins „Edelweiß“ im September 1991 waren es zunächst 56 Wolfskinder, doch nach Aufrufen in litauischen Zeitungen konnten bald fast 300 Mitglieder registriert werden. Durch die Eigeninitiative einiger Wolfskinder, die noch Deutsch sprechen können, sowie über das Ostpreußenblatt, verschiedene Heimatbriefe der ostpreußischen Kreise und maßgeblich mit Hilfe von Stettens konnten nun die meisten von ihnen im Laufe der Jahre ihre Identität aufspüren und Angehörige finden. Auch der Suchdienst des Deutschen Rotes Kreuzes half mit Namenslisten.

In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Deutsch-Baltischen Parlamentariergruppe und bei vielen persönlichen Begegnungen mit den Wolfskindern konnte ihnen Wolfgang v. Stetten durch engagierte Interventionen in Deutschland und Litauen nicht nur bürokratische Hürden aus dem Weg räumen, sondern durch eigene Spenden und Sammlungen im Freundeskreis immer wieder auch materiell Hilfe leisten. „Er ist wie ein rettender Vater für uns verlorene Kinder“, sagt ein 69jähriges Wolfskind aus Königsberg mit Dankbarkeit, und ein 70jähriger aus dem Kreis Gerdauen formuliert überwältigt: „Ich kann es nicht begreifen und schöne Worte finden, was er Gutes für uns tut.“

Da weitere Versuche v. Stettens, staatliche Hilfsmittel für die Wolfs­kinder zu gewinnen, fehlgeschlagen sind, hatte er sich im Sommer 2007 nochmals zu einer Hilfsaktion entschlossen. Mit dieser will er erreichen, daß die Wolfs­kinder Monat für Monat möglichst über zwei bis drei Jahre hinaus eine Zuwendung von 100 Litas (etwa 35 Euro) bekommen, auch, um ihnen endlich das Gefühl zu geben, daß in Deutschland noch an sie gedacht wird. Dazu hatte er 2000 Mitglieder der Confrèrie de la Chaîne des Rôtisseurs persönlich angesprochen, sämtliche Präsidenten der Rotary Clubs in Deutschland angeschrieben und auch in der Öffentlichkeit um Hilfe gebeten. Die Erfolge sind großartig. Die angesprochenen Clubs sowie die Johanniter und andere Paten haben zusammen mit 28 Patenschaften des Schlosses Stetten über 70 ein- oder mehrjährige Patenschaften übernommen. Hinzu kommen viele Einzelspenden. Besondere Freude bereitete eine Spende von Luitgart Conz aus Schortens, die eine Patenschaft für drei Jahre übernommen hatte und verfügt hat, anstelle von Kranzspenden bei ihrem Tode für die Wolfskinder zu spenden. Als sie starb, sind viele ihrer Verwandten und Freunde ihrem Wunsche nachgekommen, so daß über 1000 Euro eingegangen sind. Schloß Stetten hat diesen Betrag um knapp 400 Euro aufgestockt und jedem Wolfskind eine Sonderzahlung von 15 Euro überwiesen.

Neben der materiellen Hilfe – die die Wolfskinder übrigens seit Jahren auch über die Bruderhilfe der Landsmannschaft Ostpreußen persönlich erhalten – hat weit über die Hälfte der Wolfskinder zum ersten Mal in ihrem Leben die Möglichkeit erhalten, ein Konto zu eröffnen. Das trägt sicher auch zum Selbstwertgefühl bei.

Der Wunsch von v. Stetten, der einem alten (württembergisch-) fränkischen Geschlecht ohne Bezug zum Baltikum entstammt, ist es, die Unterstützung der Wolfskinder dauerhaft zu sichern. Es wäre schön, so seine Bitte, wenn jeder, der darum weiß, auch im Bekanntenkreis auf die Möglichkeit einer Spende oder Patenschaft hinweisen würde.

Die Wolfskinder verdanken ihre Begegnung mit dem Abgeordneten v. Stetten und seine Anteilnahme an ihrem Los seiner Liebe zu den baltischen Menschen mit ihrem besonderen politisch-geschichtlichen Schicksal, aber auch seinen in Litauen gefestigten Freundschaften wie mit dem Abgeordneten und Signatar der Freiheitsurkunde Antanas Racas. Er war es, der v. Stetten 1991 im deutschen Parlament inspirierte, eine Initiative zum deutsch-baltischen Freundeskreis zu starten.

Mit seiner Aktion für die Wolfskinder möchte v. Stetten zeigen, „daß an die letzten Preußen, die noch immer den Krieg verlieren, gedacht wird“.            Anita Motzkus

Nähere Informationen erteilt das Schloß Stetten, 74653 Künzelsau, Telefonnummer (07940) 126-0.


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren