© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 26-09 vom 27. Juni 2009

Die Gewalt nimmt kein Ende
von Harald Fourier

Am Sonnabendnachmittag feierte die konservative Berliner Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) ihr Sommerfest. Das  Gartenlokal wurde von einer Wachfirma abgesichert. Muskulöse Männer im Anzug mit Sonnenbrillen standen an jeder Ecke und paßten auf, daß sich keine ungebetenen Gäste Zutritt verschaffen. Es gab sogar einen Hund wie bei Bomben-Suchkommandos der Polizei. Ein bißchen sah es so aus, als würde gleich George W. Bush zu Besuch kommen.

Die potentiellen „ungebetenen Gäste“ waren zur gleichen Zeit aber im Kampf mit der Polizei. Zu Hunderten versuchten sie, den stillgelegten Flughafen Tempelhof zu stürmen. Es kam zu harten Auseinander­setzungen, Prügeleien, Flaschen- und Steinwürfe, Tränengas. Über 100 Festnahmen. Ein Polizist mußte seine Waffe ziehen.

Das ist die Realität in Berlin. Privatpartys müssen von Leibwächtern abgesichert werden, und die Polizei kann nur noch mit einem Großaufgebot den angekündigten Gesetzesverstoß verhindern. Nachts brennen die Autos in Kreuzberg und anderswo. Schon über 160 in diesem Jahr. Architekten entwerfen bereits Häuser für Leute, die ihr Auto mit in die Wohnung nehmen. Nicht in eine Tiefgarage! Per Fahrstuhl mit dem Mercedes in den vierten Stock, damit niemand „die Karre abfackelt“. Klingt wie in einem Hollywoodfilm. Ist aber Realität − in Kreuzberg.

Zuletzt traf es einen CDU-Abgeordneten, der sich gegen den linksradikalen Terror ausgesprochen hatte. Als Rache zündeten sie vor seiner Tür zwei Fahrzeuge an. Die Polizei erwischt immer mal wieder ein paar Gestalten aus dieser Szene, aber der große Wurf gelingt ihr nicht. Niemand weiß genau, wer dahintersteckt und was damit bezweckt werden soll.

Die Autonomen schüchtern ihre politischen Gegner ein. Oftmals sind es Konservative, Vertriebene, Neoliberale oder allgemein: „Kapitalisten“. Die fahren große Autos, also ist es gerecht, sie anzuzünden. Das ist die  Logik, die hinter der Gewalt steckt. Indes werden immer wieder auch Kleinwagen abgefackelt. Wie oft in der Geschichte sind die Grenzen zwischen politischem Wahn und blinder

Zerstörungswut also auch hier fließend.

Die Gäste der „JF“-Gartenparty diskutierten auch die Frage, warum auf der extremen Linken diese hohe Gewaltbereitschaft herrscht und was diese Terroristen eigentlich bezwecken. Ein Gast meinte: „Die wollen in Kreuzberg eine Art befreite Zone schaffen, in die sich kein ‚Kapitalist‘ mehr hereintraut.“ So ist es. Doch da Kreuzberg aus unerfindlichen Gründen für Leute mit hohem Einkommen attraktiv ist, wird der Terror weitergehen. Solange, bis die Polizei endlich durchgreift gegen die linke Szene.


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren