© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 26-09 vom 27. Juni 2009

Diktat statt Verständigung
Der Versailler Vertrag war voller Härten und Ungerechtigkeiten

Am Anfang vom Ende des Ersten Weltkrieges standen Woodrow Wilsons 14 Punkte. Am 8. Januar 1918 hatte der US-Präsident in einer Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses einen Verständigungsfrieden auf der Basis des Selbstbestimmungsrechtes der Völker vorgeschlagen. Diesen Vorschlag nahmen die Deutschen schließlich an. Als die vom Reichsaußenminister Ulrich von Brockdorff-Rantzau geleitete Delegation nach Versailles kam, um mit den Vertretern der USA und ihrer Verbündeten auf Basis der von Wilson am 8. Januar verkündeten 14 Punkte einen Friedensvertrag zu erarbeiten, wurde er statt dessen mit der Forderung konfrontiert, ein bereits von den Kriegsgegnern ausgearbeitetes Friedensdiktat zu unterzeichnen. Brockdorff-Rantzau verweigerte die geforderte Unterschrift und trat mit dem gesamten Kabinett des Sozialdemokraten Philipp Scheidemann zurück. Als Deutschlands Gegner daraufhin mit Einmarsch und Besetzung drohten, fand sich in der Weimarer Nationalversammlung die nötige Mehrheit für eine Unterzeichnung. Im Spiegelsaal von Versailles unterzeichneten am 28. Juni 1919 nach den Siegern auch Brockdorff-Rantzaus Nachfolger als Reichsaußenminister Hermann Müller und dessen Kabinettskollege Hans Bell das Versailler Vertragswerk.

Entgegen dem Selbstbestimmungsrecht der Völker wurde den Deutschen in Österreich und dem Deutschen Reich die Vereinigung verboten. Das Deutsche Reich verlor alle Kolonien sowie den größten Teil seiner Kriegs- und seiner Handelsflotte. Für die Verteidigung wurde ihm nur ein 100000-Mann-Heer zugestanden. Die Wehrpflicht wurde ihm ebenso verboten wie Flugzeuge, U-Boote und Panzer.

Im Westen verlor das Reich ohne Volksabstimmung Elsaß-Lothringen an Frankreich und Eupen-Malmedy an Belgien sowie später, nach einer vertragsgemäß durchgeführten Volksabstimmung auch Nordschleswig an Dänemark. Westdeutschland erhielt damit seine heutigen Außengrenzen.

Viel schmerzhafter waren für die Deutschen jedoch die Verluste im Osten. Danzig, das Huldschiner Ländchen und das Memelland gingen ebenso verloren wie weitere Teile Ostpreußens, aber auch Ost-Oberschlesiens sowie schließlich der überwiegende Teil der Provinzen Posen und Westpreußen. Sogar ein paar Quadratkilometer von Pommern ging bereits damals an Polen verloren.

Der Gesamtverlust des Deutschen Reiches betrug mehr als ein Achtel seines europäischen Gebietes, 70000 Quadratkilometer mit nahezu sechseinhalb Millionen Einwohnern. Von letzteren waren etwa die Hälfte Deutsche, die sich entgegen ihrem Willen nun als Minderheit in fremden Staaten wiederfanden, welche sie nicht selten auch noch diskriminierten.

Hinzu kamen immense Reparationsforderungen, deren Höhe zunächst offen blieb, deren Begleichung aber noch heute den Bundeshaushalt mit kleinen Restzahlungen von fünf Millionen Euro im Jahr belastet.      M.R.


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