© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 26-09 vom 27. Juni 2009

Linkes Getöse
»Bildungsstreik 2009« hebelt sich selbst aus

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zeigte sich von den „Bildungsstreiks“ der vergangenen Woche wenig beeindruckt. „Diejenigen, die die Proteste organisiert haben, beschäftigen sich vermutlich eher weniger mit Bildungstheorien als vielmehr mit der Durchsetzung der Interessen der Gruppen und Verbände, die hinter ihnen stehen“, zweifelte sie die Ernsthaftigkeit der Demonstrierenden an.

Die Mischung der Forderungen, die Schüler und Studenten stellten, war derart breit gestreut, daß Dringliches von Banalem überschattet, Seriöses von Ideologischem verwässert wurde. Das lag auch an den verschiedenen Motiven der Unterstützer. Neben den zahlreichen Allgemeinen Studierendenausschüssen (Asta) der Universitäten, den Gewerkschaften, Jusos, Grünen und der Linksjugend mischten mehrere Antifa-, Attac- und kommunistisch-leninistische Gruppierungen mit. „Unter dem Deckmäntelchen der Bildungspolitik“ werde versucht, „ideologische Stimmungsmache zu betreiben“, kam es dann der CDU.

Forderungen wie die Abschaffung von Noten und jeglicher Studiengebühren oder nach dem Recht, den Direktor von den Schülern und Studenten wählen zu lassen, erinnerten an die Kampfzeiten der 70er Jahre, Aktionen wie Banküberfälle und Universitätsbesetzungen ebenfalls. Berechtigte Kritik an der unstrukturierten Umsetzung bei den Bachelor-Studiengängen oder der Verkürzung des Abiturs von 13 auf zwölf Jahre ging unter im Getöse ideologisch geprägter, um ihre Existenzberechtigung bangender Interessenvertreter.

Anette Schavan tat die radikalste Forderung, auf den Bologna-Prozeß zu verzichten, als „gestrig“ ab.  Dabei ging es der Masse der mitdemonstrierenden Studenten gar nicht um eine Abkehr der Vereinheitlichung der Abschlüsse im europäischen Hochschulwesens, sondern um eine Reform der damit verbundenen Bachelor-/Masterstudiengänge, die das Diplom beziehungsweise den Magister ersetzen. In Studentenkreisen ist das nur auf drei Jahre ausgerichtete Bachelor-System als „Bulimie-Studium“ verschrien. Der Name spielt darauf an, daß die Studenten sich rasch unhinterfragt Wissen einverleiben, um es dann zeitnah bei Prüfungen wieder auszuspucken.    Bel


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