© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 26-09 vom 27. Juni 2009

Das letzte der »Westentaschenschlachtschiffe«
Vor 75 Jahren lief die »Admiral Graf Spee« vom Stapel – Von den drei Panzerschiffen der »Deutschland«-Klasse versank es als erstes

Nach der Selbstversenkung der deutschen Hochseeflotte mußte das Deutsche Reich gemäß dem Versailler Vertrag auf den verbliebenen Rest an modernen Kriegsschiffen verzichten. Neben sechs Kleinen Kreuzern sowie je einem Dutzend Zerstörern und Torpedobooten durfte das Reich nur sechs Schlachtschiffe der „Deutschland“- und der „Lothringen“/„Braunschweig“-Klasse behalten, die noch aus der Vor-„Dread­nought“-Ära stammten und bestenfalls noch Sowjetrußland abschrecken konnten.

Gemäß Artikel 190 war es „Deutschland untersagt, irgendwelche Kriegsschiffe zu bauen oder zu erwerben, es sei denn zum Ersatz der“ obengenannten Einheiten. Diese Ersatzbauten durften „keine größere Wasserverdrängung haben als 10000 Tonnen für die Schlachtschiffe, 5000 Tonnen für die Kleinen Kreuzer, 800 Tonnen für die Zerstörer und 200 Tonnen für die Torpedoboote. Außer im Falle des Verlustes eines Schiffes“ durften „die Einheiten der verschiedenen Klassen erst nach einem Zeitraum von 20 Jahren für die Schlachtschiffe und Kreuzer, 15 Jahren für die Zerstörer und Torpedoboote, gerechnet vom Stapellauf an, ersetzt werden“.

Gemäß Artikel 192 durften die „in Dienst gestellten deutschen Kriegsschiffe nur die durch die alliierten und assoziierten Hauptmächte festgesetzten Mengen an Waffen, Munition und Kriegsmaterial an Bord oder in Reserve haben“.

Angesichts dieser Beschränkungen war in Deutschland an einen Seekrieg mit Großbritannien nicht einmal zu denken. So beschränkte sich denn auch der Ehrgeiz der deutschen Marine weitgehend darauf, in dem auch schon zur Weimarer Zeit nicht unwahrscheinlich scheinenden Falle eines Krieges mit Polen dessen Verbündeten Frankreich in der Ostsee Paroli bieten zu können.

10000 Tonnen Verdrängung boten bei den Neubauten nicht viel Spielraum für Bewaffnung, Panzerung und Antriebsaggregate. Mit dem Typschiff „Deutschland“ strebte man einen Kompromiß an, der schneller war als stärkere Schiffe und stärker als schnellere. Abgesehen von einigen britischen Einheiten wurde dieses Ziel erreicht, und die Briten wurden ja als möglicher Kriegsgegner ohnehin ausgeschlossen. Der „Deutschland“ als „Ersatz Preußen“ folgte als weiteres Panzerschiff dieser Klasse die „Admiral Scheer“ als „Ersatz Lothringen“.

Die Franzosen blieben jedoch nicht untätig und reagierten mit der Ent­wick­lung eineinhalbmal so großer sogenannter Schneller Schlachtschiffe der „Dunkerque“-Klasse, die sowohl stärker als auch schneller als die deutschen Panzerschiffe waren. Die deutsche Marineleitung hoffte deshalb auf einen Qualitätssprung beim „Ersatz Braunschweig“. Der Ausbruch aus dem 10000-Tonnen-Ghetto gelang allerdings erst in der NS-Zeit mit dem als „Panzerschiff D“ geplanten Schlachtkreuzer „Scharnhorst“. Noch allerdings wollte man die Kriegssieger nicht reizen, und bei einem 10000-Tonnen-Schiff war das Konzept der „Deutschland“-Klasse kaum zu toppen.

So entstand die „Admiral Graf Spee“, so der Name von „Ersatz Braunschweig“, weitgehend nach dem Vorbild der „Admiral Scheer“. Am 1. Oktober 1932 wurde auf der Reichsmarinewerft Wilhelmshaven der Kiel gelegt, vor 75 Jahren dann, am 30. Juni 1934, lief das 186 Meter lange und 21,6 Meter breite Panzerschiff vom Stapel. Die Taufrede hielt der damalige Chef der Marineleitung Admiral Erich Raeder, den Taufakt vollzog die Tochter des Namensgebers Huberta Gräfin von Spee.

Glück gebracht hat sie dem Schiff nicht. Obwohl als letztes gebaut, versank es von den drei sogenannten Westentaschenschlachtschiffen als erstes. Als eines der ersten Opfer des Zweiten Weltkrieges wurde es in scheinbar aussichtsloser Situation am 17. Dezember 1939 vor Montevideo von der eigenen Besatzung versenkt.   Manuel Ruoff

Foto: „Admiral Graf Spee“: Das Panzerschiff bei seinem Stapellauf 


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