© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-10 vom 30. Januar 2010

Konrad Badenheuer:
Kaltes Grausen

Ein kritischer Kommentar der deutschen Afghanistan-Politik kann ohne Häme auskommen. Guter Rat ist ja wirklich teuer in dem Land am Hindukusch, das aus europäischer Sicht schon unregierbar war, lange bevor der doppelte Schock der sowjetischen Intervention und der anschließenden Taliban-Herrschaft die Region weiter zurückgeworfen hat.

Und doch haben deutsche und andere westliche Politiker zuletzt ein Bild der Konfusion abgegeben, dass einen das kalte Grausen packen kann. Nur wenige haben den Mut zum Eingeständnis, dass aus westlicher Demokratie in Afghanistan, wie 2001 noch beschworen, nichts wird. Fast kein Politiker sagt offen, dass die damalige Intervention − jedenfalls im beschlossenen Umfang und ohne wirksame Befristung − ein Fehler fast vom Kaliber des Irak-Feldzugs der USA war.

Was unterdessen an „Strategie“ nachgetragen und immer wieder „verbessert“ wurde, kann schlechterdings nicht überzeugen. Oft heißt es, die Komponente des zivilen Aufbaus und der Stärkung der afghanischen Sicherheitskräfte müsse verstärkt werden. Schön und gut, aber die Voraussetzungen eben dafür, die im Jahre 2002 vielleicht noch gegeben waren, sind heute, wo die Taliban wieder weite Teile des Landes beherrschen, weithin nicht mehr gegeben.

Besonders wenig aussichtsreich erscheint der Vorschlag, einzelne Talibankämpfer gleichsam „herauszukaufen“. Der religiös motivierte harte Kern wird darüber nur lachen. Für die Masse der anderen ist es geradezu ein Anreiz, noch schnell bei den Taliban anzuheuern, um anschließend diese „Stilllegungsprämie“ abzustauben.


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