© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-10 vom 30. Januar 2010

Ohne jeden Stolz
von Rebecca Bellano

Grünen-Parteichef Cem Özdemir trägt ziemlich dick auf, wenn er den Optionszwang im Falle einer doppelten Staatsbürgerschaft als „Geißel“ bezeichnet. Ist es auch eine „Geißel“, sich für einen Ehepartner oder einen Beruf oder was auch immer zu entscheiden? Keiner zwingt einen in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Jugendlichen mit Migrationshintergrund, seine Wurzeln zu leugnen, wenn er die deutsche Staatsbürgerschaft wählt. Er entscheidet sich stattdessen bewusst dafür, in Deutschland, dem Land in dem er lebt, alle Rechte und Pflichten eines Staatsbürgers anzunehmen.

Während beispielsweise eine US-Staatsbürgerschaft etwas Erstrebenswertes zu sein scheint, muss die deutsche offenbar aufgedrängt werden und scheint auch niemanden stolz zu machen. Das liegt natürlich an den Deutschen selbst, die das Thema Staatsbürgerschaft im Laufe der Jahre von Begriffen wie Heimat, Identität, Vaterlandsliebe abgekoppelt haben. Doch wie sollen sich junge Menschen mit Migrationshintergrund integrieren, wenn sie sich nicht mit diesem Land identifizieren können, weil wir ihnen wenig anbieten? Da hilft auch eine doppelte Staatsbürgerschaft nicht weiter.


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