© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-10 vom 30. Januar 2010

Monsterbombe
US-Präsident Truman ließ sie bauen

US-Präsident Harry Truman trat am 23. September 1949 vor die amerikanische Öffentlichkeit und verkündete: „Wir haben Beweise dafür, dass es während der letzten Wochen in der UdSSR eine Atom-Explosion gegeben hat.“ Damit meinte er den sowjetischen Atombombentest vom 29. August 1949. Die Sowjets verwendeten den Tarnnamen „Perwaya molniya“ (Erster Blitz). Die US-Amerikaner sprachen nur von „JOE I“ in Anlehnung an den US-amerikanischen Spitznamen „Uncle Joe“ für den sowjetischen Diktator Josef Stalin.

Moskau war schneller zu seiner Atombombe gelangt, als man es in Washington erwartet hatte. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Sowjets beim US-amerikanischen Atombombenprojekt „Manhattan“, das zu den Bomben von Hiroshima und Nagasaki geführt hatte, sehr erfolgreich spioniert hatten. Nun besaßen die USA kein Monopol auf Atomwaffen mehr und der Kalte Krieg mit Moskau war bereits in vollem Gang. Vor dem Hintergrund des apokalyptischen Wettrüstens der beiden Supermächte reagierten die US-Amerikaner mit dem Streben nach einer noch viel stärkeren Bombe, der Wasserstoff- oder H-Bombe.

Diese Waffe beruht auf dem Prinzip der Kernfusion, im Unterschied zur Kernspaltung in einer Atombombe, bei der eine „überkritische“ Masse von Uran 235 oder Plutonium 239 durch Kernspaltungs-Kettenreaktion explosiv Energie freisetzt. Eine Wasserstoffbombe funktioniert, indem in ihrem Inneren eine Kernspaltungsbombe gezündet wird. Dadurch entstehen Temperaturen und Druckverhältnisse, die den schweren Wasserstoff in der Ladung durch Fusionsreaktion zünden. So werden bis zu etwa 50 Megatonnen an Sprengkraft freigesetzt, wobei eine Megatonne der Energie von einer Million Tonnen Dynamit (TNT) entspricht. Die Wirkung sollte mehrhundertfach stärker sein als diejenige der auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Bomben.

Vor 60 Jahren, am 31. Januar 1950, teilte Präsident Truman der Weltöffentlichkeit mit: „Ich habe die Atomenergie-Kommission angewiesen, ihre Arbeit an allen Formen von Atomwaffen fortzusetzen, einschließlich der so genannten Wasserstoff- oder Superbombe.“ Im März erklärten die Sowjets, ihrerseits eine Wasserstoffbombe entwickeln zu wollen.

In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November 1952 zündeten die USA ihre erste H-Bombe („Ivy Mike“), die die 800-fache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe erreichte. Die Sowjets, dicht auf den Fersen, feierten ihre erste H-Bomben-Zündung am 12. August 1953.

Bei der Lösung des Problems, wie derartige Monster ins Zielgebiet zu transportieren sind, hatten sie sogar die Nase vorn. Am 22. November 1955 explodierte die erste transportable Bombe im Experimentiergelände des kasachischen Semipalatinsk. Die USA schafften es erst einige Monate später. Am 21. Mai 1956 warf ein Flugzeug über Namu, einem Atoll der Ralik-Kette der Marshallinseln, eine Wasserstoffbombe ab.          Bernd Rill


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