© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-10 vom 30. Januar 2010

Was die CSR vom Reich in Versailles erhielt

Nach dem Ersten Weltkrieg erhielten fast alle Nachbarn des Deutschen Reiches ein Stück bis dato deutschen Landes. Damit verbanden die Sieger die Hoffnung, dass möglichst viele Staaten am Erhalt der Versailler Ordnung interessiert waren. So erhielt auch die neugegründete Tschechoslo­wa­kei (CSR) ein Stück­chen vom Reich: das sogenannte Hultschiner Ländchen. Es handelt sich hierbei um ein 286 Quadratkilometer großes Gebiet um die Stadt Hultschin am Südostende Schlesiens.

Wie alle Verluste des Reiches  mit Ausnahme des Reichslandes Elsaß-Lothringen handelte es sich auch beim Hultschiner Ländchen um Preußenland. 1742 hatte es Österreich nach dem Ersten Schlesischen Krieg mit den anderen Teilen des späteren Preußisch-Schlesien an Preußen abgetreten. Mit Erfolg hatten tschechische Lobbyisten bei den Siegern die Fiktion vertreten, nicht Österreich, sondern der „tschechische Staat“ sei der Vorbesitzer gewesen und die Bewohner mehrheitlich tschechisch. Da half es den Betroffenen nicht, dass sie eine Volksbefragung durchführten, bei der 93,7 Prozent der 48446 Stimmberechtigten für einen Verbleib beim Reich stimmten. Nachdem die deutschen Truppen das Gebiet geräumt hatten. nahm die CSR es am 4. Februar 1920 mit dem Einmarsch eigener Truppen in Besitz.

Zusammen mit dem Sudetenland wurde das Hultschiner Ländchen 1938 (wieder) reichsdeutsch und 1945 wieder tschech(oslo­wak)isch, was es bis heute ist. Anders als den Sudetendeutschen, deren Existenz die CSR nicht hatte leugnen können, blieb den Deutschen des Hultschiner Ländchens eine Vertreibung weitgehend erspart. Schließlich waren sie ja angeblich Tschechen.          M.R.


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