© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-10 vom 30. Januar 2010

Ausgerechnet in Brasilien
Pommerisch soll zweite Amtssprache werden (Teil III und Schluss)

Nach dem erfolgreichen Start des Pommerischen Schulprojektes PROEPO (Projeto de Educação Escolar Pomerana) planen die Organisatoren, den nächsten Schritt.

Wenn die Gemeinden, die das Schulprojekt unterstützen, wirklich am Erhalt der pommerischen Kultur und Sprache interessiert sind, dann müssen sie auch das Ihre politisch tun. In Florianopolis, der Hauptstadt des Bundesstaates Santa Catarina, gibt es das Institut zur Erforschung und Entwicklung der brasilianischen Sprachenpolitik (IPOL). Das Institut setzt sich für den Erhalt und die Verbesserung der Sprachenvielfalt in Brasilien und den anderen Mercosur-Staaten (Argentinien, Paraguay, Uruguay und Venezuela) ein. Im Jahre 2002 ist es dem Institut gelungen, die drei Indianersprachen Nheengatu, Tukanu und Baniva in der brasilianischen Amazonasgemeinde Sāo Gabriel da Cachoeira als offizielle Amtssprachen neben dem Portugiesischen einzuführen, das nach Artikel 13 des brasilianischen Grundgesetzes Nationalsprache ist. Ein Vertreter des IPOL, der Professor Gilvan Müller de Oliveira, hat im Jahre 2007 die fünf betroffenen Pommern-Gemeinden in Espirito Santo besucht, um mit den Gemeindevertretern, Lehrern und Schülern Gespräche zu führen. Als Folge dieses Besuches haben die Gemeinde Pancas bereits im Jahre 2007 und die Gemeinde Laranja da Terra im Jahre 2008 den Prozess der Einführung des Pommerischen als zweite Amtssprache in ihren Gemeinden in Gang gesetzt.

Dieser Prozess der so genannten Kooffizialisierung ist nach Meinung Müllers der erste Schritt zur offiziellen Anerkennung von Pommerisch als zweite Amtssprache in den betreffenden Gemeinden. Die Gemeinden, die sich zu diesem Schritt entschließen, müssen auf Gemeindeebene eine Kommission für Sprachenpolitik schaffen, die alle Aktivitäten bezüglich der Sprachenpolitik koordiniert. In einem zweiten Schritt muss diese Kommission konkrete Projekte zur Sprachenpolitik einreichen und diese mit der Bundesstaatsebene absprechen.

Dem Bundesstaat Espirito Santo liegt viel an der Pflege und dem Erhalt des kulturellen Erbes seiner zahlreichen europäischen Einwanderer, das haben auch die Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der pommerischen Einwanderung letztes Jahr gezeigt. Über 800 Vertreter aller Pommerngemeinden Brasiliens haben eine Woche lang diesen Jahrestag festlich gefeiert. Verschiedene Fernsehsender haben brasilienweit über das Ereignis berichtet. Gouverneur Paulo Hartung, der sich selbst an die Spitze der Feiergemeinde gestellt hatte, hat auf Antrag des Parlaments den 22. Juni, den Tag der Ankunft des ersten Auswandererschiffes aus Pommern, zum jährlichen Pommerngedenktag der Provinz erklärt. Die Pommern, so erklärte er in seiner Festansprache, hätten einen entscheidenden Beitrag zur Entstehung der „Capixabakultur“, der Kultur des Bundestaates Espirito Santo, geleistet. In Santa Maria de Jetibá, das bereits seit 20 Jahren Ende April jährlich das größte Pommernfest Brasiliens veranstaltet, wurde am 27. Juni 2009 auch der Prozess der Kooffizialisierung des Pommerischen als Amtshilfssprache der Gemeinde in Gang gesetzt und gleichzeitig ein Denkmal der pommerischen Einwanderung eingeweiht.          Bodo Bost


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