© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-10 vom 30. Januar 2010

Gablonzer Modeschmuck
Rheinbacher Glasmuseum zeigt Sonderausstellung

Die führende Rolle der sudetendeutschen Kunsthandwerker in der Modeschmuckbranche ist heute etwas in Vergessenheit geraten. So ist nur noch Wenigen bekannt, dass früher der bekannteste Name für Kleinglaswaren und Modeschmuck „Gablonz“ lautete und dass in der nordböhmischen Region eine beachtliche Vielfalt von glitzernden Produkten hergestellt wurde. Die böhmische Stadt Gablonz an der Neiße / Jablonec nad Nisou war vor dem Zweiten Weltkrieg durch ihre Schmuck- und Glasindustrie international bekannt.

Die „Gablonzer Bijouterie“ war der Hauptmotor des wirtschaftlichen Aufschwungs, den die Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte. Nach der Vertreibung in den Jahren 1945/46 gründeten die Gablonzer an verschiedenen Orten in Österreich und Deutschland neue Zentren. In Tirol ließen sich hauptsächlich die ehemaligen Granatschleifer nieder und gründeten kleine Werkstätten. Zu den Etablierten gehört Swarovski, dessen Betrieb sich für sauber geschliffene Glasimitationen verschiedener Qualitäten eine herausragende Position verschafft hat.

In Deutschland ist die neue Heimat vieler sudetendeutscher Kunsthandwerker der Raum Kaufbeuren, das Fichtelgebirge sowie die Region um Schwäbisch-Gmünd. Heute werden in Neugablonz-Kaufbeuren Schmuckstücke und modische Accessoires sowie auch hochwertige Präzisionsteile für die Computer-, Telekommunikations- und Automobilindustrie sowie für die Unterhaltungs-Elektronik produziert.

Das Rheinbacher Glasmuseum zeigt in der Ausstellung „Glanz und Glitter – 200 Jahre Gablonzer Modeschmuck“ eine repräsentative Auswahl aus der umfangreichen Privatsammlung von Sibylle Jargstorf. Im Fokus stehen die unterschiedlichen Facetten der Schmuckproduktion und die nahezu unerschöpfliche Kreativität der sudetendeutschen Kunsthandwerker. Gablonzer Schmuck besteht aus „Unedelmetall“ und wird in einer Blei-Zinn-Legierung in Verbindung mit anderen Bestandteilen im Spritz-(Schleuder)-Gussverfahren hergestellt. Als „Steinbesatz“ werden einfache Press- oder Gussgläser sowie hand- oder maschinengeschliffene spezielle Bleigläser verwendet. Bei der Fertigung des Modeschmucks werden Glas, Unedelmetalle und inzwischen auch immer häufiger Kunststoffe frei miteinander kombiniert, was ein breites Spektrum an Farben, Formen und Dekors zulässt.

Zum Rahmenprogramm gehören unter anderem die Präsentationen Rheinbacher Glashandwerker, die im Museumsshop ihre Schmuckkreationen anbieten. Außerdem sind während der Sonderausstellung Schmuckgestalterinnen und -gestalter im Hause zu Gast, die ihre Arbeiten in einer gesonderten Vitrine vorstellen.

Da sich sowohl die Schau als auch die begleitenden Work-shops für viele Besucher als besonders attraktiv erwiesen haben, wurden die Sonderausstellung und die entsprechenden Zusatzprogramme bis Ende Februar verlängert. Neben dem Workshop für Kinder „Von der Scherbe zur Brosche“ mit Andrea Stolte-Linden finden der Familienworkshop „Schmuck-büsten aus Powertex“ (20. Februar) und der Workshop für Erwachsene „Von der Glasperle zum fertigen Schmuckstück“ (27. Februar) statt.             Dieter Göllner

Foto: Schmuckstück: eine Gablonzer Brosche            Bild: DG


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