© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-10 vom 30. Januar 2010

Haltung bewahren mit Goethe
Ratgeber leitet Führungskräfte mit Erfahrungen des Dichters durch den Tag

In vielen Chefetagen wird in der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise eine (noch) höhere Gangart gefahren, was auch eine Mehrbelastung der Manager zur Folge hat. Das wissen der Unternehmensberater Stefan Küthe und die Ökonomin Monika Schuch aus erster Hand. Mit einem Ratgeber, der durchgehend Bezug auf Goethe nimmt, wenden sie sich an gestresste Entscheider und an alle, die in ihrem Beruf eine leitende Position einnehmen. Ihr Handbuch mit dem Titel „Goethe für Manager – Wie Sie einfach genial Arbeit und Leben meistern“ wird im Vorwort von dem bekannten Rhetoriktrainer Nikolaus B. Enkelmann empfohlen als ein Werk, „das uns zeigt, was die Welt im Innersten zusammenhält“. Beigegeben ist eine Tabelle mit Angaben über Goethes Leben und Wirken.

Goethe selbst hatte in seiner Eigenschaft als Kammerpräsident, also als Finanzminister, eine gewichtige Stimme in den höchsten Beratungs- und Verwaltungsgremien des sächsischen Herzogs Carl August. Aber nicht allein deshalb beziehen sich die Autoren auf ihn, beruhen seine An- und Einsichten doch überwiegend auf vergleichender Beobachtung menschlichen Verhaltens und fachübergreifender Forschung. Küthe und Schuch haben die eingestreuten Zitate des Universalgenies passend zu den jeweils behandelten Themen ausgesucht, so dass nach und nach ein „Paket“ von Lehren und Hinweisen entsteht, das man als ganzheitlich bezeichnen könnte. Es fußt auf Weltweisheiten, die teilweise der christlich-abendländischen, teilweise der buddhistisch-asiatischen Tradition zuzuschreiben sind. Hinzu kommt eine Essenz aus Erkenntnissen der Psychologie und der Sozialwissenschaften. Im Grunde geht es um eine Haltung, die verinnerlicht werden muss, damit sie sich dauerhaft positiv auswirkt.

Wie bleibt das Leben bei Zeitmangel und Zeitdruck im Gleichgewicht? Wie lässt sich soziale Kompetenz entwickeln und stärken? Kann man beruflichen und privaten Erfolg „anziehen“? Goethe strukturierte seinen Tag sehr konsequent und empfahl, die schwierigsten Aufgaben gleich morgens in Angriff zu nehmen. Maß und Muße, Balance und eine gesunde Lebensweise sind unerlässlich, betonen die Autoren. Und: Wer sich auf Werte „religiöser oder philosophischer Natur“ beruft, habe es leichter. Auch lasse sich ein guter Teil des Geschäftserfolgs mit der gelebten Wertekultur erklären. „Geld allein macht nicht glücklich“, ist nur eine Basiserkenntnis. Darüber hinaus geht die Einsicht, dass Geben und Nehmen zwei Seiten einer Medaille sind, was Goethe so trefflich formulierte: „Wer nichts für andere tut, tut nichts für sich.“ Dies betonen auch die Autoren, denn: „Andere glücklich zu machen macht glücklich.“ Daher, so Küthe und Schuch, arbeiten auch Altruisten eigentlich für sich selbst. Damit deuten sie jedoch an, dass es im Grunde keinen Unterschied mache, ob man einen Lohn für seine Selbstlosigkeit erwartet oder auch nicht. Die Unschärfe an dieser Stelle fällt auf, nämlich das Bemühen, den Spagat zwischen einem hohen ethisch-moralischen Anspruch einerseits und dem Streben nach Erfolg und, was unausgesprochen damit verbunden ist, nach einem sich vergrößernden materiellen Vermögen anderseits nicht zu benennen. Es handelt sich hierbei aber um ein Dilemma, und es sollte offen angesprochen werden.

Demgegenüber findet sich in dem ansonsten exquisiten Ratgeber eine starke Betonung der Selbstsuggestion. Der sogenannte Pygmalion-Effekt einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung ist aber letztendlich ein Faktor mit vielen Unbekannten.            D. Jestrzemski

Stefan Küthe, Monika Schuch: „Goethe für Manager – Wie Sie einfach genial Arbeit und Leben meistern“, Linde Verlag, Wien 2009, geb., 175 Seiten, 19,40 Euro


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