© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-10 vom 30. Januar 2010

Ungeliebt
Erzählungen von Fitzgerald

Der erfolgreiche Romancier F. Scott Fitzgerald („Der letzte Tycoon“, „Zärtlich ist die Nacht“) hatte ein gespaltenes Verhältnis zu seinem eigenem erzählerischen Werk. Seine in Zeitschriften veröffentlichten Geschichten brachten ihm zwar eine Menge Geld ein, doch sein ganzer Ehrgeiz galt seinen Romanen, auf die er deutlich mehr Mühe verwandte. Der vorliegende Band „Winterträume“ umfasst 23 Texte Fitzgeralds: 22 Erzählungen aus den Jahren 1920 und 1924 sowie das autobiographische Dokument „Früher Erfolg“ aus dem Jahr 1937. Die 1000 Seiten starken „Winterträume“ belegen, dass der Autor sich seiner Erzählungen nicht zu schämen brauchte.

In seinem kenntnisreichen Nachwort ordnet Manfred Papst die Erzählungen ein. Selbst in den Texten, die Fitzgerald als „Mist“ abtat, leuchtet etwas von dem Talent auf, welches der 1896 geborene und 1940 früh verstorbene Schriftsteller in seinem Meisterwerk „Der große Gatsby“ zeigen sollte, das er mit 28 Jahren veröffentlichte.

In den vorliegenden Erzählungen finden auch heutige Leser noch eine interessante Auseinandersetzung mit der US-amerikanischen Jugendkultur der 1920er Jahre. Weitere durchgängige Themen sind Alkoholismus und Hochstapelei sowie eine Verklärung der Südstaaten.

Sicherlich sind Fitzgeralds Romane gewichtiger als seine Erzählungen. Doch auch diese Texte aus der ersten Hälfte der „Roaring Twenties“ lohnen durchaus eine erneute Lektüre.    Ansgar Lange

Francis Scott Fitzgerald: „Winterträume“, Diogenes Verlag, Zürich 2009, 976 Seiten, kartoniert, 24,90 Euro


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