© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-10 vom 30. Januar 2010

Katastrophenpopulismus

Hat ein Unglück sich begeben,
ganz egal aus welchem Grund,
dann ist Hilfeleistung eben
das Gebot der ersten Stund’.

Außer Leiden, Bangen, Hoffen
gibt es je nach Art und Zahl
der Personen, die betroffen,
aber heut’ ein Ritual:

Denn sobald man das Geschehen
Katastrophe nennen kann,
zieht es, wie wir jeweils sehen,
Amts- und Würdenträger an!

Sich vor Ort ein Bild zu machen,
heißt’s für sie ja allgemein –
und dabei nebst Nebensachen
selbst zentral im Bild zu sein.

Möglichst schnell sich
hinbequemen,
viele Hände schütteln auch,
Kinder in die
Arme nehmen,
alles das gehört zum Brauch.

Bringt zwar Spesen
selbstverständlich,
und die haben wenig Sinn,
denn für Opfer
ist letztendlich
das Theater kein Gewinn.

Wenn jedoch statt wie erwartet
wer sich nicht ans Drehbuch hält,
wird er – das scheint abgekartet –
prompt als herzlos hingestellt!

Die veröffentlichte Meinung
treibt halt an zur Heuchelei –
und als Teil der Zeiterscheinung
sind wir alle mit dabei ...

Pannonicus


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