© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-10 vom 20. Februar 2010

»Was ist modern?«
Stefan Mappus schwimmt innerhalb der CDU gegen den Strom

Ein erfrischendes Selbstbewusstsein als moderat Konservativer in der CDU hat Baden-Württembergs neuer Ministerpräsident Stefan Mappus in den ersten Interviews nach seiner Wahl ausgestrahlt. Während die große Mehrheit der CDU-Politiker bei der Frage nach dem „C“ im Parteinamen nur noch an das christliche Menschenbild erinnert, was auch viele Muslime, Buddhisten und sogar Atheisten unterschreiben können, plädiert der 43-jährige Mappus mutig für „eine Politik, die auf Werten und dem christlichen Glauben aufbaut“. Das gelte für ihn auch im privaten Bereich: Der Glaube spiele dort eine „große Rolle“, er und seine Ehefrau „wollen unsere Kinder jedenfalls an den christlichen Glauben heranführen“.

Solche Worte, die noch vor kaum mehr als 20 Jahren in der CDU zum Gemeingut gehört haben, haben heute – jedenfalls in der ersten Reihe der Partei – schon Seltenheitswert. Mut zum Profil zeigt Mappus allerdings auch in weit trivialeren Dingen: Der aus Mühlacker bei Pforzheim stammende Handwerkersohn nimmt sich die Freiheit, auch als Regierungschef im Südwesten Fan des FC Bayern München zu sein. Was jedem Medienberater einer Generation PR-technischer optimierter Politiker den kalten Schweiß auf die Stirn treiben würde, hat bei dem gelernten Kaufmann und studierten Ökonom gewissermaßen System.

„Es ist für mich vorbildlich, wenn ein Politiker, der etwas als richtig erkannt hat, nicht zu allererst fragt: Habe ich dafür eine Mehrheit oder nicht? Wenn man keine Mehrheit hat, muss man eben darum kämpfen“, erklärte er in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ unter Hinweis auf die Standhaftigkeit Helmut Kohls im Streit um die Nachrüstung 1982, der damit „historisch recht behalten“ habe.

Konservative „Duftmarken“ setzt Mappus mit seinem dicken Fragezeichen hinter dem Wort „modern“: „Viele sind der Ansicht, das gegliederte Bildungssystem sei unmodern. Ich frage dann immer: Was ist modern? Ich kann mit dem Begriff nichts anfangen.“ Es gehe nicht darum, ob Politik „modern“ sei, sondern ob sie Zukunftsfragen beantworte. Mappus hat wiederholt dafür plädiert, die konservativen Kräfte in der CDU zu stärken. Umfragen, dass traditionelle Stammwählergruppen wie Kirchgänger und Vertriebene zahlenmäßig nicht mehr groß seien, weist er zurück: „Daraus abzuleiten, die Kirchgänger und Vertriebenen brauche man nicht mehr, ist falsch: Für mich gilt immer noch: Zunächst die Stamm- und dann die Laufkundschaft.“ Ständig sei der CDU erzählt worden, sie solle eine „modernere“ Politik machen, dann bekäme sie in der Mitte einiges dazu. „Dazu stelle ich fest: Wir haben in der Mitte kaum etwas dazubekommen, dafür ist uns auf der anderen Seite jede Menge weggebrochen“, betont Mappus, der aber direkte Kritik an der CDU-Vorsitzenden Merkel vermeidet.

Dass die Konservativen in den Unionsparteien den Zeitgeist unverändert gegen sich haben, zeigt die neue Entwicklung beim erst im November gegründeten „Arbeitskreis engagierter Katholiken in CDU und CSU“ (AEK). Mit dem früheren bayerischen Wissenschaftsminister und dem CSU-Bundestagsabgeordneten Norbert Geis haben sich zwei der bekanntesten Köpfe aus dem Kreis zurückgezogen. Sie wollen nun am 6. März eine katholische Gruppe innerhalb der CSU bilden, dies aber mit dem Segen von Parteichef Horst Seehofer. K.B.


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