© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-10 vom 20. Februar 2010

Welche Rolle spielte Washington?
Wall Street contra Euro: US-Banken halfen Griechen bei Schulden-Vertuschung

US-amerikanische Großbanken haben die derzeitige Krise in der Euro-Zone seit Jahren nach Kräften befördert, indem sie Griechenland, Italien und womöglich noch anderen Defizitsündern gegen satte Gebühren dabei geholfen haben, ihre Verschuldung gegenüber Brüssel zu vertuschen. So habe etwa Goldman Sachs einen geheimen Milliardenkredit an Athen als Währungsgeschäft getarnt. Dafür kassierten die Amerikaner dem Vernehmen nach 300 Millionen US-Dollar. Schon 1996 soll JP Morgan Italien zu einem ähnlichen Geschäft verholfen haben.

Als Gegenleistungen traten die europäischen Schuldenstaaten  künftige Staatseinnahmen wie beispielsweise Flughafengebühren oder Lottoeinnahmen an die US-Banker ab. So wurden kurzfristige Zuflüsse zulasten künftiger Einnahmen eingestrichen, die finanzielle Lage der Länder also langfristig weiter verschlechtert.

Die Hilfe für Italien 1996 ist insofern wichtig, als 1997 als Stichjahr festgelegt worden war, in dem die Euro-Tauglichkeit der Bewerberstaaten für die Einheitswährung getestet wurde. Im Falle Griechenlands hat Informationen zufolge noch im vergangenen Januar ein Team von Goldman Sachs versucht, die Schulden des Landes dadurch zu verschleiern, dass Kosten aus dem Gesundheitswesen weit in die Zukunft verlagert werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Athen die eigenen Mogeleien jedoch schon zugegeben und verzichtete auf weitere „Komplizenschaft“ aus Übersee.

Die enge Verzahnung von US-Großbanken mit der US-Notenbank wie auch mit der Regierung in Washington nährt die Vermutung, dass das Vorgehen der Banken kaum ohne Wissen und wohl auch Zustimmung wichtiger Regierungskreise erfolgt ist. Ein starker Euro gilt dort als Konkurrenz zum US-Dollar.

Die Alleinstellung des Dollar als Weltleit und -reservewährung erlaubte es den USA in der Vergangenheit, nahezu unbegrenzt Kapital auf dem ganzen Globus  abzuschöpfen. Damit konnte ein gewaltiges Handelsbilanzdefizit finanziert werden. In dem Maße, wie eine andere weltweit akzeptierte weitere Reservewährung auf den Plan tritt, könnte die langfristige Werthaltigkeit des Dollar von Anlegern zunehmend hinterfragt werden.

Insofern kann es nicht verwundern, dass aus den USA gegen den Euro gearbeitet wurde und wird. Indes dürften die kruden Methoden diesseits des Atlantik für Überraschung gesorgt haben, stehen sie doch in krassem Gegensatz zu den Beteuerungen Washingtons, man wünsche sich nicht nur im nationalen Interesse ein stabiles globales Währungssystem.

Bestätigung in den jüngsten Enthüllungen finden jene Euro-Skeptiker, die in den 90er Jahren vor der geplanten EU-weiten Einheitswährung gewarnt hatten und als Kompromiss anregten, im ersten Schritt nur die Hartwährungsländer um Deutschland, die Benelux-Staaten und Frankreich in eine solche Union einzubeziehen. Erst danach, so die Idee, sollten sich die übrigen Länder nach gründlicher Prüfung einzeln qualifizieren dürfen. Der Vorschlag fußte auf dem schon vorher diskutierten Konzept eines „Europa der zwei Geschwindigkeiten“.

Die Idee wurde zugunsten einer umfassenden Währungsunion verworfen, der dann lediglich einzelne EU-Staaten aus eigenem Entschluss nicht beitraten. Die Befürchtung, eine solche Währungsunion würde zu einer „Transferunion“ ausarten, in der die einen, vornehmlich die Deutschen, die Schulden der anderen zu schultern hätten, wurde von allen großen Parteien des Bundestages als Angstmache zurückgewiesen.

Doch genau diese „Transferunion“ komme nun und werde sich zum Dauerzustand verfestigen, glaubt der Wirtschaftsjournalist Henrik Müller im „Manager-Magazin“: Die Deutschen müssten zahlen, womöglich hohe Summen. Sonst drohe Inflation, ja ein Auseinanderbrechen des Binnenmarktes, der ganzen EU und am Ende sogar der Zusammenbruch der europäischen Friedensordnung. Indes könnten die Dauerzahlungen die Zustimmung zu EU auch in Deutschland soweit untergraben, bis auch von hier Risiken für die Union ausgeht.  Hans Heckel


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