© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-10 vom 20. Februar 2010

Ausgerechnet Verdi
Gewerkschaft hält die eigenen Leute kurz

Mitten im Tarifstreit im Öffentlichen Dienst trifft die Gewerkschaft Verdi ein peinlicher Vorwurf: Laut Verband der Gewerkschaftsbeschäftigten (VGB) praktiziert Verdi hausintern etliches von dem, was ihr Chef Frank Bsirske sonst an der Arbeitgeberseite heftig kritisiert.

An die Öffentlichkeit traten die Verhältnisse bei Verdi mit dem jüngsten Tarifkonflikt. Die 1,5 Prozent Gehaltserhöhung, die die Öffentlichen Arbeitgeber  anboten, bezeichnete Bsirske als völlig unangemessen niedrig. Gleichzeitig jedoch will Verdi seinen rund 3800 eigenen Angestellten auch nicht mehr zahlen.

Bei den Betroffenen hat dies zu erheblichem Unmut geführt. Sie sollen einerseits die Demonstrationen und etwaigen Streiks für (so die letzte Forderung) 3,5 Prozent mehr Geld im Öffentlichen Dienst organisieren, sich selbst jedoch mit weniger als der Hälfte zufrieden geben. Und das, obwohl leitende Angestellte bei Verdi erst unlängst rückwirkend bis 2008 stolze 8,6 Prozent Gehaltserhöhung erhalten haben. Jetzt werden aus der Verdi-Belegschaft Drohungen laut, den „Streik zu bestreiken“: Der ARD-Sendung „Report München“ sagte ein aufgebrachter Angestellter, unter Umständen könnte man die nächste Betriebsversammlung just dann machen, wenn im Öffentlichen Dienst gestreikt würde.

Warum die Verdi-Angestellten nicht einfach selber streiken? Das Problem ist, dass sie zwar gewerkschaftlich organisiert sind, aber als Verdi-Mitglieder eben bei ihrem eigenen Arbeitgeber. Deswegen sind sie bei Tarifverhandlungen nur durch ihren Betriebsrat vertreten. Betriebsräte aber dürfen nicht zum Streik aufrufen.

Während Verdi „draußen“ rastlos für den Flächentarif kämpft und Haustarifverträge mit Argwohn betrachtet, verfügen die Verdi-Mitarbeiter noch nicht einmal über einen ordentlichen Haustarifvertrag, sondern, wie es offiziell heißt, nur über eine so genannte „Art Haustarifvertrag“.  Schließlich ist die von Verdi bedrängte Öffentliche Hand tatsächlich pleite. Verdi selbst hat Millionenüberschüsse.   H.H.


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren