© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-10 vom 20. Februar 2010

Auf den Holzweg geführt
Peter F. Piening baut aus Holz Parallelwelten des Alltags – Eine Ausstellung in Flensburg zeigt seine Großobjekte

Die Namen der Arbeiten von Peter F. Piening sind Programm: Eremitorium, Turm, Schanze, Rotunde, Umbraculum, Magazin, Paravent, Unterstand, Laterne sind die rätselhaften Bezeichnungen der großen Objekte, die ab 21. Februar im Flensburger Museumsberg zu bestaunen sind. Auch die Ausstellung trägt einen rätselhaften Titel: „teils dieserhalb, teils außerdem“, ein Zitat, das von Wilhelm Busch stammt. Was verbirgt sich hinter dieser Zeile, fragte die PAZ den 1942 in Bredstedt bei Husum geborenen Künstler Peter F. Piening. Der schmunzelte: „Der Spruch stammt tatsächlich von Busch aus der ,Frommen Helene‘. Ich wollte die Eindeutigkeit vermeiden. Eine schillernde Mehrdeutigkeit passt am besten zu meinen Arbeiten. Der Betrachter soll sich schon Gedanken machen.“

Gedanken macht man sich auch über die wunderlichen Namen. Was bedeutet zum Beispiel „Umbraculum“? Piening: „Das ist ein Schattengang, genau übersetzt, eine Laube, in der man verweilen kann. Eremitorium ist sicher deutlicher. Es kommt von Eremit, dem Einsiedler.“

Damit wird dem Besucher der Ausstellung auch schon klar, dass er diese Kunstwerke auch von innen betrachten kann, sogar soll. Sie laden ein zum Hineinschauen, Hereintreten, Betrachten und Anfassen. Sie öffnen sich dem Besucher und bewahren doch gleichzeitig ihr Geheimnis. Denn jedes Großobjekt verbirgt im Inneren eine Fülle von Ausstattungsgegenständen aus Holz, deren Nutzen sich nicht so leicht entschlüsseln lässt. So wird der Ausstellungsbesuch zu einer Entdeckungs- und Erlebnisreise.

Die meisten der Objekte sind aus Holz. Gibt es einen Grund, warum Sie dieses Material bevorzugen, während doch viele Ihrer Kollegen „moderne“ Werkstoffe wie Edelstahl oder Kunststoff verarbeiten? fragte die PAZ Peter F. Piening. „Ich gehe gern mit Holz um, es ist ein einfacher Umgang. Es hat mich auch schon immer geärgert, dass die Laubsäge in der Kunst verpönt ist, gegenüber Pinsel und Farbe ist sie gering angesehen. Da habe ich mich selbstironisch betrachtet und eine Handwerkermentalität vorgetäuscht. Ich habe die Kunstfreunde sozusagen auf den Holzweg geführt. Außerdem gibt es gar keine modernen Materialien. Es kommt doch immer darauf an, was der Künstler daraus macht.“

Und Piening, der in Ahrensburg bei Hamburg lebt und arbeitet, hat aus dem Material Holz Erstaunliches gemacht: roh belassen, farbig gefasst, gesägt, gedübelt, genagelt, geleimt, geschraubt sind seit der Jahrtausendwende zahlreiche Objekte entstanden, von denen einige nun in Flensburg zu sehen sind.

Wie kommt man auf solche Objekte? Gibt es Dinge, die den Künstler inspirieren? „Ich bin ja auch Maler und Zeichner“, erläuterte Piening. „Früher habe ich Dinge gesammelt und diese Fundstücke haben mich inspiriert. Dann habe ich Hohlstücke gestaltet, bis ich entdeckte, dass diese Objekte auch ein Innenleben haben können. Irgendwann entstanden dann begehbare Gehäuse. Da ist eines nach dem anderen entstanden, alles ist gewachsen.“

Den Besuchern der Ausstellungen, in denen die Großobjekte bereits landauf landab zu sehen waren, scheint es zu gefallen. „Es wird viel geschmunzelt in den Ausstellungen“, bestätigt Piening die Frage der PAZ nach dem Humor in seinen Arbeiten. „teils dieserhalb, teils außerdem wird der Kunstfreund in der Flensburger Ausstellung seine Freude haben.“ Und so wird man sich aufmachen, all die hintersinnigen Details der Objekte zu entdecken und die begehbaren Parallelwelten des Alltags erforschen.       os

Die Ausstellung mit Großobjekten von Peter F. Piening im Museumsberg Flensburg ist vom 21. Februar bis 24. Mai dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr (bis März) und von 10 bis 17 Uhr (April bis Oktober) geöffnet, Eintritt 4 / 1,50 Euro.

Foto: Peter F. Piening: Umbraculum, der Schattengang


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