© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 10-10 vom 13. März 2010

Standhaft und prinzipientreu
Nachruf auf Günter Petersdorf − Träger des Preußenschildes

Am 11. Februar 2010 entschlief in Kiel der langjährige Bundesschatzmeister der Landsmannschaft Ostpreußen Günter Petersdorf. Der Verstorbene wurde am 17. Juni 1920 in Königsberg in Preußen geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums und der Verwaltungsschule war Günter Petersdorf als Beamter in seiner Heimatprovinz tätig. Wie für viele seiner Generation war der nächste Lebensabschnitt durch den Zweiten Weltkrieg geprägt. Petersdorf hat vier Jahre an der Ostfront bis zum bitteren Ende seine Pflicht als Offizier und Patriot getan. Die besten Eigenschaften preußischen Beamtentums bewährten sich bei ihm im Krieg wie im Rahmen seines beruflichen Neuanfangs im öffentlichen Dienst des Landes Schleswig-Holstein, aus dem er nach fast vierzigjähriger Tätigkeit 1985 als Oberamtsrat ausschied.

Bereits unmittelbar nach Kriegs-ende verschrieb er sich der Arbeit für seine ostdeutschen Schicksalsgefährten. Günter Petersdorf war ein Mann der ersten Stunde in der Vertriebenenarbeit des Landes Schleswig-Holstein. So gehörte er zu denen, die 1948 in Kiel die erste ostpreußische Heimatgruppe gründeten; seit 1958 war er Vorsitzender der Kreisgruppe Kiel. 1960 übernahm er den Vorsitz der Landesgruppe Schleswig-Holstein der Landsmannschaft Ostpreußen, den er bis 2005 inne hatte. Von 1983 bis 1997 stand er auch dem Landesverband der vertriebenen Deutschen in Schleswig-Holstein vor.

Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch noch weitere. Von 1966 bis 1998 gehörte Günter Petersdorf ununterbrochen dem Bundesvorstand der Landsmannschaft Ostpreußen an; über 20 Jahre lang bekleidete er im geschäftsführenden Vorstand das überaus wichtige Amt des Bundesschatzmeisters. Die gesunde wirtschaftliche Basis, auf welche die Landsmannschaft Ostpreußen auch heute mit Stolz verweisen kann, ist nicht zuletzt ein Verdienst der preußischen Sparsamkeit ihres ehemaligen Bundesschatzmeisters. Ferner war Petersdorf 8 Jahre lang Mitglied im Präsidium des BdV und setzte sich über viele Jahre als stellvertretender Vorsitzender im Programmausschuss des Rundfunk-rates des Norddeutschen Rundfunks für die Interessen der Heimatvertriebenen ein.

Seine pflichtbewusste und vom großen Verantwortungsgefühl getragene Arbeit fand ihre Anerkennung sowohl in dem von der Landsmannschaft Ostpreußen bereits 1970 verliehenen Goldenen Ehrenzeichen und dem 1998 verliehenen Preußenschild als auch in der Goldenen Ehrennadel und der Wenzel-Jaksch-Medaille des BdV. Darüber hinaus wurde seine den demokratischen Rechtsstaat mitprägende Persönlichkeit vom Bundespräsidenten mehrfach gewürdigt. 1990 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Schließlich überreichte ihm beim Neujahrs-empfang des Landesverbandes Schleswig-Holstein am 30. Dezember 1992 der damalige Sozialminister Günter Jansen das Große Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Auch das Land Schleswig-Holstein ehrte seine Verdienste mit der Schleswig-Holstein-Medaille.

In der Gemeinschaft der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge, der Über- und Aussiedler war Petersdorf eine nicht wegzudenkende Größe. Es ist nicht zuletzt sein Verdienst gewesen, dass dieser Personenkreis durch die Wirren vieler Jahrzehnte hindurch seinen Zusammenhalt wahren konnte. Auf regionalen wie überregionalen Ebenen setzte sich Petersdorf vor allem im sozialen Bereich ein. Auf seine Anregungen gehen viele Aktionen zurück, mit denen seit Öffnung der Grenzen humanitäre Hilfen in die deutschen Heimatgebiete gelangten. Auch bei der Beratung, Betreuung und Eingliederung der Übersiedler aus der ehemaligen DDR und der deutschen Aussiedler aus Osteuropa konnte er seine reichhaltigen Erfahrungen einbringen. Die vorbildliche Integrationspolitik für diesen Personenkreis in Schleswig-Holstein ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Günter Petersdorf war ein Mann, der es in fünf Jahrzehnten verstanden hat, für die heimatpolitischen Anliegen der Ostpreußen auch die obersten Repräsentanten von Regierung, Verwaltung und Parteien zu gewinnen. Die von hochrangigen Vertretern des öffentlichen Lebens besuchten Neujahrsempfänge der vertriebenen Deutschen in Kiel legen hierfür beredtes Zeugnis ab.

Standhaftigkeit und Prinzipientreue prägten seinen politischen Lebensweg. Auf dieser Grundlage hat er es stets verstanden, in der politischen Auseinandersetzung ein konzilianter Gesprächspartner zu sein. Für die Verständigung mit den östlichen Nachbarn auf der Grundlage des Rechts und der geschichtlichen Wahrheit setzte er sich seit jeher ein. Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und unbedingtes Eintreten für die berechtigten Ansprüche der ostdeutschen Heimatvertriebenen waren für ihn nie Fremdwörter. Konzessionen an den Zeitgeist hat er nicht gemacht. Vaterlandsliebe im umfassenden Sinne ist für seine Person kennzeichnend. Mit seinem jahrzehntelangen ehrenamtlichen Engagement in der Vertriebenenarbeit hat er einen wertvollen Beitrag zur geistigen Führung der Bundesrepublik Deutschland geleistet. Hilfe und Unterstützung hat Günter Petersdorf durch seine Frau Betty erfahren, die ihm über viele Jahrzehnte zur Seite stand.

Wir werden Günter Petersdorf ein ehrendes Andenken bewahren.           LO


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