© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-10 vom 15. Mai 2010

Kostbare Textilien erhalten
Die alten Heideklöster beherbergen Schätze aus vergangenen Zeiten – Auch die Architektur beeindruckt

Wenn es nicht mehr so kalt ist in den alten Gemäuern, laden in den Wochen zwischen Ostern und Pfingsten, oft auch erst an den Pfingsttagen, die Frauenklöster in der Lüneburger Heide zum Besuch ein. Die Konventualinnen haben in liebevoller Arbeit die Ausstellung der Schätze ihrer Klöster vorbereitet. Diese sind besonders schön.

Jedes Kloster ist noch im Besitz unersetzbarer Handarbeiten, die dort schon vor etlichen Jahrhunderten von frommen Frauen geschaffen wurden, die zumeist Adelsfamilien der Region entstammten. Das einstige Benediktinerkloster ist heute ein evangelisches Damenstift mit zumeist Frauen bürgerlicher Herkunft, die nach einem erfüllten Berufsleben ihre verbliebenen Kräfte als Stiftsdamen dem Kloster ehrenamtlich zur Verfügung stellen. Sie hüten und pflegen die geheiligten Utensilien in der Kirche und die Kunstwerke des Klosters, erklären diese, wenn sie die Besucher durch die wohlgestalteten Räume führen.

Aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammen die ältesten Teppiche aus Leinen und Wolle. Die Stickerinnen benutzten bis auf wenige Seiden- und Goldfäden heimisches Material. Durch Perlenbesatz setzten sie den Altardecken und Festgewändern der Priester besondere Akzente. Die Heidebäche und -flüsse waren damals reich an Fischen, in denen manchmal kleine Perlen heranwuchsen. Auf diese hatten die Klöster ein Anrecht.

Die ausgestellten Wandteppiche erzählen Bildergeschichten, heimatliche und biblische Legenden. Sie ziehen viele Besucher an, und die Klosterdamen vermögen es durch ihre Deutungen, sie den Schauenden zu erklären.

Nach den Feiertagen werden die sehr lichtempfindlichen Textilen wieder sorgfältig verpackt. So lagern sie dann am wohltemperierten, dunklen, gesicherten Ort, bis sie zur Pfingstzeit des nächsten Jahres wieder für wenige Tage die Besucher erfreuen dürfen. Auch das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigt nur in dieser Zeit einige sehr wertvolle textile Handarbeiten, die die Hansestadt kurz nach der Währungsreform 1948 vom Kloster Lüne übernahm. Damals brauchte das Kloster dringend Geld für nicht mehr aufschiebbare Reparaturen an der Bausubstanz. Hamburg half und kam dadurch in den Besitz des Osterteppichs, der in den Jahren 1504/05 von den Nonnen des Klosters Lüne gestickt worden war. Im Mittelpunkt dieses Teppichs aus gefärbter Wolle auf grobem Leinen sieht man den auferstandenen Heiland. Ein Fuß berührt noch das Paradiesgärtlein, in dem sich zwei Menschen befinden. Jesus trägt das Banner. Zwei Engel stehen ihm zur Seite, schwenken Weihrauch. Ein blumengeschmückter Lichtkranz umgibt das Haupt des Herrn, hebt sich golden ab gegen den Sternenhimmel. Ein Spruchband umschließt das himmlische Motiv. Es ist von sieben Zacken umgeben, darin jeweils ein sechszackiger Stern, aus dessen Mitte ein freundliches Gesicht blickt. Ein äußerer Schriftkranz umschließt diese Huldigung: Der auferstandene Christus hat die Welt erlöst!

Besonders beeindruckend im Kloster Lüne sind neben der Brunnen-Halle und dem Kreuzgang, der mit Birn- und Taustabrippen geziert ist, auch die Buntglasfenster aus dem 14. bis 17. Jahrhundert, das Refektorium mit den Seccomalereien, der „Sarggang“ und die „Uhlenflucht“ mit den bemalten ehemaligen Nonnenzellen aus der nachreformatorischen Zeit, die 1410 geweihte Kirche mit dem geschnitzten Propststuhl, der Barockorgel, dem Taufbecken und dem gotischen Altaraufsatz, der Nonnenchor mit einem Beweinungsbild aus der Werkstatt von Lucas Cranach d. Ä., einer Leuchter-Madonna, verschiedene gotische Schränke und Truhen – die älteste stammt aus dem Jahr 1174.  Anne Bahrs

Das Museum im Kloster Lüne ist bis 15. Oktober dienstags bis sonntags von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr sowie von 14.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet Eintritt 4 / 2 Euro.


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