© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-11 vom 29. Januar 2011

Der Musik verpflichtet
125. Geburtstag: Der Kritiker und Komponist Erwin Kroll

Wann immer nicht leicht durchschaubare Zusammenhänge und Begebenheiten ostpreußischen Musikschaffens im Redaktionsalltag auftauchen, dann gibt es nur eins: den Griff nach dem Buch „Musikstadt Königsberg“ von Erwin Kroll. Bei seinem Blick auf das Musikleben der Stadt am Pregel hat er tief in die allgemeine deutsche Musik- und Geistesgeschichte gegriffen.

Erwin Kroll wurde vor 125 Jahren am 3. Februar 1886 in Deutsch Eylau geboren. Zur Jahrhundertwende kam er nach Königsberg, wo er Philologie und Musik studierte. Kroll promovierte über seinen berühmten Landsmann E.T.A. Hoffmann und ging anschließend in den Schuldienst. So unterrichtete er am Königsberger Hufengymnasium, wo auch der Dichter Ernst Wiechert eine zeitlang tätig war.

1919 endlich wandte sich Kroll vollends der Musik zu und setzte seine Studien, die er bei Otto Fiebach und Paul Scheinpflug begonnen hatte, in München fort. Dort fand er vor allem in Hans Pfitzner einen wichtigen Lehrer. Später widmete Kroll dem Schaffen Pfitzners ein viel beachtetes Buch. Neben seinem Studium fand er auch noch die Zeit, als Schriftführer des Hans-Pfitzner-Vereins für Deutsche Tonkunst und als Korrepetitor an der Münchner Staats­oper zu wirken. 1925 kehrte Erwin Kroll in seine Heimat zurück und übernahm das Amt des Musikkritikers der „Hartungschen Zeitung“ in Königsberg; 1930 wurde er deren Feuilletonchef. Vier Jahre später schon ging Kroll dann nach Berlin, wo er als Kritiker und Musikschriftsteller wirkte. Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete er bis 1953 die Musikabteilung des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks in Berlin.

Erwin Kroll war mit vielen Größen des Musiklebens bekannt, nicht zuletzt durch seine Tätigkeit als Feuilletonchef. Mit Otto Besch aber, dem ostpreußischen Komponisten, verband ihn eine Freundschaft aus der Schulzeit. „Als ich merkte, dass er der Musik mit der gleichen Schwärmerei ergeben war wie ich, war es mit den freundschaftlichen Gefühlen kein Halten mehr“, erinnerte sich  Besch. „Er war damals schon ein guter Pianist und Vom-Blatt-Spieler. Wie oft habe ich hinter ihm gestanden, wenn er die in jener Zeit ganz neuen Werke von Richard Strauss in üppiger Klangfülle mich ganz verwirrend gestaltete.“

Als Erwin Kroll am 7. März 1976 in Berlin starb, hinterließ er eine stattliche Reihe von musikkritischen Aufsätzen und Publikationen über Pfitzner, E.T.A. Hoffmann, Carl Maria von Weber und Louis Köhler. Sein Buch „Musikstadt Königsberg“ veröffentlichte er 1966; leider ist es längst vergriffen.

Auch Kompositionen, die sich oftmals auf Ostpreußen beziehen, sind in dem Werk des 1956 mit dem Bundesverdienstkreuz und 1960 mit dem Ostpreußischen Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen Ausgezeichneten zu finden, so das Orchesterwerk „Ostpreußische Heimat“, eine Violinsonate in B-Dur, eine Sonatine in F-Dur, ostpreußische Tänze und eine Fantasie über ostpreußische Volksweisen für großes Orchester sowie Gesangswerke und Liedbearbeitungen, Lieder für Solostimmen und Chorlieder.    Silke Osman


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