© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-11 vom 09. April 2011

Feindbild Auto
Ziel 2025: 75 Prozent Bus, Bahn oder zu Fuß

Manfred Voit, der Chef des örtlichen ADAC, vertritt 1,18 Millionen Autofahrer in Berlin-Brandenburg: „Wir sind ein Mobilitätsclub, das Auto ist ein Verkehrsmittel von vielen“ – allerdings das wichtigste. Das müsse die Verkehrspolitik „berücksichtigen“, umreißt er seine Vorstellungen.

Der „Stadtentwicklungsplan Verkehr“ des Berliner Senats weist in eine andere Richtung. Danach sollen bis 2025 drei Viertel aller Fahrten durch den öffentlichen Personennahverkehr, das Fahrrad oder die eigenen Beine abgewickelt werden. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gibt sich ambitioniert: „Bei den jetzt vorgestellten Plänen handelt es sich um ein Kursbuch für die Verkehrspolitik der nächsten Jahre.“ Ein Ausbau des Nahverkehrs wird es nur in geringem Maße geben; stattdessen gibt es Restriktionen gegen Autofahrer.

Die Maßnahmen reichen von der Wegnahme von Parkplätzen, restriktive Parkplatzvorgaben bei Neubauten bis zum Bau von Straßenbahnen. Dieses Verkehrsmittel wurde 1967 im Westteil der Stadt abgeschafft. Im Ostteil blieb die „Tram“, weil es dort keine finanziellen Mittel für einen großzügigen U-Bahnausbau gab. Autofeindliche Verkehrspolitiker schätzen die Straßenbahn, weil sie Verkehrsflächen für den ruhenden und fließenden Verkehr gleichermaßen zerstört. Dabei ist ihre geringe Reisegeschwindigkeit wenig attraktiv. Sie ist zudem besonders unfallträchtig. Seit 1997 – als die Straßenbahn im Stadtteil Wedding erstmalig wieder in den ehemaligen Westteil der Stadt zurück kam – starben dort 15 Menschen bei Unfällen.             Hans Lody


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