© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-11 vom 09. April 2011

Im Gespräch

In einem Interview mit der PAZ-Redakteurin Silke Osman legte Artjom Chatschaturow dar, was ihn an Königsberg und seiner Arbeit fasziniert:

PAZ: Herr Chatschaturow, Sie sind in dem Jahr geboren, in dem Herbert Wilhelmi, der letzte Organist des Königsberger Doms, starb. Fühlen Sie sich Ihrem Vorgänger verbunden?

Artjom Chatschaturow: Die Geschichte des Königsberger Doms ist auch die Geschichte derjenigen Menschen, die mit ihm verbunden sind. Die Persönlichkeit des letzten Domorganisten hat mich immer interessiert. Im Jahre 2008 habe ich dank Gerfried Horst die Tochter von Herbert Wilhelmi kennengelernt, Gisela Kottmeier, und habe auf diese Art viel von ihm erfahren. Das war ein großer Königsberger, der sich ganz dem Dom und der Orgel hingegeben hat; deswegen fühle ich eine Verbindung mit ihm und verstehe, wonach man streben muss.

PAZ: Wilhelmi hat einmal gesagt, jeder trage seine Landschaft in Wesenszügen in sich. Haben Sie neben der russischen Landschaft, in die Sie geboren wurden, auch bereits ein wenig die ostpreußische Landschaft in sich aufgesogen?

Chatschaturow: Ich glaube, dass mein fast vierjähriger Aufenthalt in Kaliningrad es mir erlaubt hat, den Charakter der ostpreußischen Landschaft aufzusaugen, wenn es mir auch so scheint, dass sich der Ausspruch von Herbert Wilhelmi mehr auf die Landschaft bezieht, in der ein Mensch geboren wurde und aufgewachsen ist.

PAZ: Königsberg war früher eine herausragende Musikstadt, in der Konzerte mit Dirigenten und Solisten von Rang stattfanden. Welche Erfahrung haben Sie im heutigen Königsberg gemacht?

Chatschaturow: Im Dom von Kaliningrad gibt es jetzt sehr viele Konzerte; außer Orgelmusik erklingen symphonische und Klaviermusik sowie Gesangsdarbietungen. Im Juni ist eine grandiose Aufführung des „Prometheus“ von Skrjabin geplant; kurz gesagt, die Konzerttätigkeit im Dom gewinnt jedes Jahr mehr an Fahrt, und das hauptsächliche Verdienst daran gebührt dem Domdirektor Igor Alexandrowitsch Odinzow. Deshalb kann man meine Erfahrung hier als ziemlich erheblich einschätzen, da ich an der größten Zahl von Konzerten teilnehme, ohne meine Solokonzerte zu erwähnen.

PAZ: In Erfurt spielen Sie neben Kompositionen russischer Größen wie Schostakowitsch auch Werke von Franz Liszt, dessen 200. Geburtstages man in diesem Jahr gedenkt. Wird dieser Komponist auch in Königsberg gewürdigt?

Chatschaturow: In Kaliningrad, wie auch in ganz Russland, ist der Name von Franz Liszt jedem gebildeten Menschen bekannt, da dieser große Komponist die Musikkultur bereichert hat. Der Name von Schostakowitsch wird ebenfalls hoch geschätzt, vor allem dank seiner symphonischen Musik.


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