© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-11 vom 09. April 2011

Ostpreußenhilfe wird 30
Erfolgreiche Bilanz, aber Sorge um die Zukunft

Ostpreußen bestimmt noch heute das Leben von Gisela Peitsch, der Ersten Vorsitzenden des Vereins „Ostpreußenhilfe“. Am 17. April feiert der Verein sein 30-jähriges Bestehen.

Der große Hilfseinsatz für ihre zurückgebliebenen Landsleute begann 1976. Die erste Nachkriegsreise von Gisela Peitsch und ihrem Mann Helmut nach Ostpreußen ging in das jetzt polnische Gebiet Masuren, Ermland sowie Danzig. In Stary Targ (Altmark) trafen sie auf verschüchterte Deutsche, knüpften erste Kontakte und sammelten Adressen von bedürftigen Familien. Aus diesen ersten Schritten sollte eine monumentale Hilfsaktion werden. Sie führte 1981 zur Gründung des gemeinnützigen Vereins, der bis heute etwa 250 Familien und Einzelpersonen nicht nur mit Sach- und Geldspenden, sondern auch mit Liebe betreut.

Helmut Peitsch war Chefredakteur der „Harburger Anzeigen und Nachrichten“. Er veröffentlichte Berichte über das Elend dort und eine riesige Spendenwelle überrollte Gisela Peitsch. Unterstützt vom Landfrauenverein Nenndorf und dem Lions Club Hamburg-Rosengarten und Einzelpersonen wurden im Laufe der Jahre tausende Pakete gepackt. Basare veranstaltet und Spenden eingeworben. Mittendrin immer Gisela Peitsch als Motor dieser Hilfsaktionen. Aus ihrem Haus in Tötensen wurde ein „Durchgangslager“ für angesammelte Sachspenden.

Sie erhielt nicht nur rührende Dankesbriefe ihrer Landsleute, sondern auch höchste Anerkennung für ihr Lebenswerk. Bundespräsident Karl Carstens verlieh ihr 1983 das Bundesverdienstkreuz, Kaiserenkel Prinz Louis Ferdinand würdigte ihre selbstlose Arbeit und lud sie in die Hohenzollernburg ein. Von der Gemeinde Rosengarten erhielt sie zum 75. Geburtstag die Rosengarten-Goldmedaille.

Gisela Peitsch ist stets bescheiden geblieben, eine preußische Tugend, wie ihr Mann sagt. Sie setzt sich mit ganzem Herzen für ihre Landsleute in den Ostgebieten ein. Wie sie richtig sagt: „Es hätte auch mich treffen können.“ 1991 öffnete sich der „Eiserne Vorhang“ für das bisher hermetisch abgeriegelte Königsberger Gebiet und die Ostpreußenhilfe fragte in Zeitungsmeldungen: „Wer hilft den Deutschen in Königsberg?“. Die Resonanz war riesig. Die erste „Aktion Königsberg“ war überaus erfolgreich. Hilfsgüter im Wert von mehr als eineinhalb Millionen D-Mark wurden nach Nord-Ostpreußen gebracht. Vier Container mit insgesamt 40 Tonnen reisten auf einem russischen Frachter von Lübeck nach Königsberg begleitet von dem Ehepaar Peitsch. Die Ostpreußenhilfe verschick-te sogar eine lebende Kuh. „Sorka“ („Morgenröte“) ging an die Küsterin der Kirche „Mühlhausen“ und deren 16-köpfige Familie. Ein erster Schritt zur besseren Verständigung. Selbst das russische Fernsehen berichtete über diese Hilfe.

Der Verein kann auf eine stolze Bilanz zurückblicken: Fast zwei Millionen Euro gingen an Geldspenden ein, Sachspenden über 2,5 Millionen, 25460 Pakete wurden bisher verschickt mit einem Gesamtgewicht von 261 Tonnen. Weiter wurden 2820 Patenschaften vermittelt.

Gisela Peitsch hat nur eine Sorge, wenn ihre Kraft nachlässt, hat sie noch keinen Nachfolger, der diese anspruchsvolle, ehrenamtliche Tätigkeit weiterführen wird. Es wird sich wohl auch kaum jemand finden, der so viel Liebe und Herzblut darein investiert. Margrit Rohmann-Brennecke


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