© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-11 vom 03. September 2011

Jan Heitmann:
Von Bord!

Wie war das noch? „Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen, der die Sache regelt. Und das bin ich.“ Mit diesen Worten reklamierte Guido Westerwelle seinen Führungsanspruch in der FDP. Wer aber ein Schiff führen will, muss etwas von der Seefahrt verstehen. Wenigstens mit dem Kompass sollte er umgehen können, sonst steuert er einen falschen Kurs und führt das Schiff ins Verderben. Bleibt man bei diesem Bild, versteht jeder Freizeitskipper mehr von der Lenkung des Staatsschiffes als der Bundesaußenminister. Kein Wunder, dass Altkanzler Kohl zürnt, die deutsche Außenpolitik habe keinen Kompass mehr. Hat sie doch, kontert Westerwelle trotzig, die liberale Außenpolitik folge „einem klaren Kompass“. Doch was nützt der klarste Kompass, wenn der Kapitän ihn nicht lesen kann?

Das Beispiel Westerwelle wirft ein Schlaglicht auf die Personalauswahl der Parteien. Wer sich jahrelang in der Partei bewährt, wird mit einem Staatsamt belohnt. Doch Parteipolitik und Staatspolitik sind nicht dasselbe. Wer das eine beherrscht, kann im anderen kläglich versagen. So wie Westerwelle. Sieht man sich seine Vita an (s. S. 24), stellt man fest, dass er eigentlich nie etwas anderes als Parteiarbeit gemacht hat. Weder hat er sich als Landesminister oder Staatssekretär noch wenigstens in einem Beruf bewährt, bevor er Vizekanzler und Außenminister wurde. Meriten hat er ausschließlich in der FDP erworben. Mit dieser Qualifikation dürfte man ihm eigentlich nicht einmal eine Segeljolle und schon gar nicht das Staatsschiff anvertrauen. Wenn der Kapitän das Leben der Mannschaft gefährdet, wird gemeutert. Das sollte die FDP jetzt auch tun und dafür sorgen, dass Westerwelle schleunigst von Bord geht.


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